Rezension

The Head And The Heart

Signs Of Light


Highlights: Rhythm & Blues // Library Magic
Genre: Folk-Pop
Sounds Like: Family Of The Year // Torpus & The Art Directors

VÖ: 09.09.2016

Ist es eigentlich ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, wenn der Anfang von „Signs Of Light“, dem neuen Album der Folk-Pop-Formation The Head And The Heart, klingt wie der Refrain eines Hits von Taylor Swift? Kommt drauf an. Wenn man Ambitionen hat, an die Spitze der Charts und in jeden Radiosender zu kommen, ist das natürlich ein absoluter Volltreffer. Für Fans des Debütalbums der Seattler ist der Opener „All We Ever Knew“ aber zwangsläufig eine Enttäuschung. Zwar klingt zum Glück nicht das gesamte Album so sehr nach dem Folkpop-Hype der Saison, aber der Opener gibt die Marschrichtung für „Signs Of Light“ vor.

Vorbei ist es mit den ruhigen Folknummern. Nur „Library Magic“ erinnert daran, was das Debüt von The Head And The Heart so besonders gemacht hat: reduzierte akustische Instrumentierung und der Zwiegesang von Josiah Johnson und Charity Rose Thielen. „There will always be better days“, verspricht der Refrain, aber man wartet vergeblich. Der neue Radiopop ist zwar zugegebenermaßen durchaus eingängig. Und es ist auch mal ganz interessant, wenn „Dreamer“ mit Streichern zum Schwof auf die Tanzfläche einlädt. Aber hier liegt nun das Problem: Wo das Debütalbum noch etwas Besonderes war, ist „Signs Of Light“ nun leider nur noch ein Album unter vielen, die Folk und Pop zu beinahe austauschbaren Radioliedern vermischen.

„Why isn’t this enough?“, fragt Sänger Johnson in „All We Ever Knew“ und man gerät selber kurz ins Stutzen. Wenn Radiofolk gut gemacht ist, kann er ja durchaus in den Charts und bei Kritikern Anklang finden, was The Lumineers in den letzten Jahren eindrücklich vorgemacht haben. Aber ganz in dieser Liga spielen The Head And The Heart eben noch nicht. Sie sind stattdessen irgendwo zwischen Torpus & The Art Directors und Mumford & Sons gefangen. „Signs Of Light“ ist weder Fisch noch Fleisch: Nicht simpel genug für das ganz große Radio-Airplay, aber wiederum zu poppig, um noch als authentisches Folkalbum durchzugehen. Böse Zungen mögen nun behaupten, dass sowieso nichts Anderes zu erwarten war, ist „Signs Of Light“ doch das erste Album, das The Head And The Heart beim Majorlabel Warner Music veröffentlichen. „All We Ever Knew“ ist aber zum Beispiel bereits bei den Aufnahmen zum Vorgängeralbum entstanden. So einfach ist es also nicht. Und eigentlich ist es ja auch nicht wirklich wichtig. Freunde von Radio-Konsens-Folkpop werden an „Signs Of Light“ ihre Freude haben und Fans des Debütalbums können weiterhin die selbstbetitelte Platte hören.

Lisa Dücker

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