Rezension

The Head And The Heart

Let's Be Still


Highlights: Josh McBride // Let's Be Still // Gone
Genre: Folk // Indiepop
Sounds Like: Mumford & Sons // The Low Anthem // Torpus & The Art Directors

VÖ: 25.10.2013

Ach ja, wer kennt es nicht? Beim Smartphone geht immer so schnell der Akku leer, wenn man im Internet surft. Im Laden gab es die schicken Stiefel wieder nicht in der richtigen Größe. Das CD-Regal ist schon wieder voll, aber eigentlich hat man gar keine Lust, noch ein neues zu kaufen. All das sind gute Beispiele für sogenannte First World Problems. The Head And The Heart hatten bei den Aufnahmen zu ihrem neuen Album „Let's Be Still“ mit Schwierigkeiten ähnlichen Ausmaßes zu kämpfen. Sie hatten einfach zu viel Auswahl bei den Aufnahmen. Das Debütalbum hatte die Seattler Folkpop-Truppe noch in Eigenarbeit aufgenommen und vertrieben, sie mussten mit dem Equipment und den Aufnahmebedingungen auskommen, die sie sich leisten konnten. Heute, die Band ist mittlerweile bei Sub Pop untergekommen, sieht die Situation von The Head And The Heart ganz anders aus. Sie haben sich mit ihrem ersten Album verdient gemacht und dürfen nun studiotechnisch aus dem Vollen schöpfen. Doch das bringt leider nicht nur Vorteile.

Der Sound ist voller und, keine Frage, wesentlich runder und hochwertiger als noch auf dem Debüt. Aber das führt leider auch dazu, dass The Head And The Heart jetzt so klingen wie jede beliebige andere Folkpopband. Das kann funktionieren, wenn man mit den damit verbundenen Erwartungen spielt: So ist der Titeltrack „Let's Be Still“, der zunächst komplett ins Indiefolk-Schema zu passen scheint, unbestritten eines der Highlights der Platte: weil er ruhig und unaufgeregt daherkommt, der Text sich schnell festsetzt und das ganze Stück einfach stimmig ist. Und dann kommt ungefähr in der Mitte des Songs dieses Break, bei dem tatsächlich für einen Moment alles still ist. Das ist zugegebenermaßen ziemlich cool. Ansonsten aber hat die technische Weiterentwicklung leider dazu geführt, dass The Head And The Heart sich von vielen ihrer besonderen Merkmale verabschiedet haben. Abgesehen von „My Friends“ ist der Chorgesang beinahe komplett verschwunden und auch auf das für das Debüt so charakteristische Zusammenspiel der Stimmen von Josiah Johnson und Charity Rose Thielen wurde größtenteils verzichtet.

An das zauberhafte Debüt erinnern nur noch wenige Songs. „Josh McBride“ zum Beispiel, das sich auch auf „The Head And The Heart“ zwischen „Lost In My Mind“ und „Sounds Like Hallelujah“ sehr gut gemacht hätte. Auch „Gone“ gehört zur alten Garde. Das liegt vor allem daran, dass es tatsächlich schon mehrere Jahre alt ist und den Sprung aufs erste Album nicht geschafft hat. Jetzt steht es ganz am Ende von „Let's Be Still“ und bietet mit knapp sechseinhalb Minuten einen fulminanten Rausschmeißer. Ansonsten plätschert „Let's Be Still“ viel zu oft einfach nur so vor sich hin.

Das alles ist schade, aber natürlich kann man von einer Band, deren Debüt sich in den USA über 280.000 Mal verkauft hat und deren Singles Dauergast in Serien wie "How I Met Your Mother" waren, nicht erwarten, dass sie, anstatt ihre neuen Möglichkeiten voll auszuschöpfen, bei ihrem alten Billigsound bleibt. Sänger Johnson ließ verlauten, dass man für das zweite Album Lieder hatte schreiben wollen, die einfach größer sein sollten als bisher. Das ist The Head And The Heart ohne Zweifel gelungen. Wohin sie das führt, wird man sehen.

Lisa Dücker

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