Rezension

Muse

Drones


Highlights: The Handler // Dead Inside
Genre: Progressive Rock // Pop
Sounds Like: Queen // The Killers

VÖ: 05.06.2015

Eigentlich sollte diese Rezension ohne das Q-Wort auskommen. Eigentlich. Doch je verzweifelter ich versuche, die Referenz an die englische Band Queen zu umschiffen, desto grinsender tauchen Sänger Freddie Mercury und Muse-Frontmann Matthew Bellamy gemeinsam vor meinem inneren Auge auf. Was vor knapp zehn Jahren mit „Knights Of Cydonia“ seinen Anfang nahm, erreicht auf „Drones“ seinen Höhepunkt: In „Defector“ scheinen Mercury & Bellamy gemeinsam in einer Gondel durch Venedig zu schippern und dabei ein Lied zu trällern, das sich jede Sekunde aus lauter Pathos im Canal Grande ertränken könnte.

Doch lassen wir die gesanglichen Exzesse Bellamys, die erst in der zweiten Hälfte von „Drones“ Überhand nehmen, für einen Moment beiseite, dann zeigt sich ein Album, dem zwar die großen Ideen fehlen, das sich aber musikalisch in weiten Teilen weitaus bodenständiger gibt als die Vorgänger. Statt exaltierte Ausflüge in klassische oder elektronische Gefilde bietet das Soundgerüst von „Drones“ zunächst überwiegend straighten Rock. „Psycho“, das in den vergangenen Monaten samt brüllendem Drill Seargent live zu hören war, und „Reapers“ gehen gut steil. "The Handler" ist ein typischer Track aus der Muse-Ära Mitte der 2000er Jahre. Mit dem pompösen Beiwerk, für das die Briten seit eh und je zu haben sind, ergibt sich eine Platte, die auch der Nachfolger zu „Black Holes & Revelations“ hätte sein können.

In gewisser Weise haben sich Muse zurückbesonnen auf einiges, was sie in der Vergangenheit positiv ausgezeichnet hat. Gitarrentremolos und harte Riffs wirken fast schon versöhnlich. Dass die Referenzen an das eigene Ouevre mitunter überdeutlich sind (Man vergleiche nur den ruhigen Part in „The Globalist“ mit „Unintended“ oder „The Handler“ mit dem Intro von „In Your World“), lässt sich durchaus verschmerzen, besagte Queen-Anleihen oder auch das glattgebügelte „Revolt“, das wie eine Adaption des Poprock-Songs „All These Things That I've Done“ von The Killers anmutet, schon weniger.

Wirklich fragwürdig ist das triefende „Aftermath“ und nicht zuletzt der thematische Überbau (vielleicht auch der Unterbau) von „Drones“. Gesellschaftlich relevante und durchaus kontrovers diskutierte Themen fanden sich schon immer bei Muse wieder, das ging bis hin zu wilden Verschwörungstheorien. Konnte man über die mittelprächtige textliche Aufarbeitung in den Anfangsjahren noch mit einer gewissen juvenilen Coolness hinwegsehen, wirkt das bei den drei Mittdreißigern, die mitten im Leben stehen und die das System auf die Sonnenseite des Lebens gespült hat, doch arg aufgesetzt.

So sich denn thematisch überhaupt ein roter Faden ausmachen lässt, ist er gelinde gesagt sehr dünn. Von Drohnen hören wir ab und an, von einem Strippenzieher, einer Revolte und so weiter und so fort. Es sind Schlagwörter, die Bellamy mal mehr, mal weniger aggressiv in den Raum wirft, denen er aber keine Konturen gibt. Schon der Einstieg „Dead Inside“, bei dessen Entstehung Bellamy eine gescheiterte Beziehung verarbeitet hat, hat nur mit sehr viel Wohlwollen etwas mit der Drohnenproblematik zu tun. Die Geschichte ist somit derart konstruiert und musikalisch so überschaubar ausgestaltet, dass sich „Drones“ zwar ganz gut weghören lässt, aber nichts Substanzielles hängen bleibt.

Mischa Karth

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