Rezension

Hot Chip

A Bath Full Of Ecstasy


Highlights: Melody Of Love // Hungry Child // Positive // No God
Genre: Indiepop
Sounds Like: Future Islands // Metronomy

VÖ: 21.06.2019

Mit 15 habe ich einmal während einer nächtlichen "Fußball Manager"-Runde mit meinem besten Freund hin- und her gezappt, bis wir bei der Übertragung des Hot-Chip-Konzerts von Rock am Ring 2008 hängengeblieben sind. Etwas irritiert, aber auch unterhalten fühlten wir uns von dieser uns unbekannten Band. Keine Überraschung, passten Songs wie “Over And Over” doch nicht wirklich zu meinen damaligen Hörgewohnheiten, die bis dato von den ersten beiden Billy-Talent-Alben in Dauerschleife geprägt waren. Dennoch hatte ich in den Folgejahren ein kleines Faible für die Londoner Band, ohne mich wirklich ausgiebig mit ihnen beschäftigt zu haben. Jetzt, elf Jahre später, ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass ihre siebte Platte mein persönliches Sommeralbum wird.

“A Bath Full Of Ecstasy” beschreibt das Gefühl beim Hören der Platte sehr gut, jedenfalls wenn man nach den Ecstasy gemeinhin nachgesagten Glücksgefühlen geht. Die Platte schafft es ein unglaublich positives Gefühl zu verbreiten, ohne dabei repetitiv oder beliebig zu werden. Jedes Lied geht auf seine eigene Art ins Ohr, es reiht sich Hit an Hit. Der erste Track “Melody Of Love” gibt direkt die Richtung vor: In sich wachsender, tanzbarer, eingängiger Indiepop, getragen von wunderbaren Synthmelodien und Beats. Dabei verliebt man sich nach jedem Hördurchgang in neue Facetten, neue Aspekte, die zuvor noch unentdeckt blieben. Bestes Beispiel ist dafür wahrscheinlich “No God”, der fantastische Closer, der zu Beginn wie ein ruhiger Abschluss wirkt, um zum Ende noch einmal aus Kanonen der elektronischen Musik zu feuern. Oder “Hungry Child”, das sich mit der Zeit immer stärker zu dem Aushängeschild der Platte entwickelt, zwischen 90er-Jahre-House und tagesaktuellem Indiepop.

Dennoch, eigentlich ist es unfair, irgendeinen Song in den Mittelpunkt zu stellen. “A Bath Full Of Ecstasy” beeindruckt gerade durch neun unterschiedliche Hits, verschiedenste Melodien und etliche Ohrwürmer, deren Gewichtung sich immer wieder verschiebt. Ein tolles Sommeralbum, für mich, wahrscheinlich sogar für mein 15-jähriges Ich und hoffentlich noch für viele andere.

Lewis Wellbrock

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