Rezension

Hot Chip

Made In The Dark


Highlights: Ready For The Floor // Touch Too Much // Hold On
Genre: Electro
Sounds Like: Junior Boys // Zoot Woman // Fujiya & Miyagi

VÖ: 01.02.2008

Vor zwei Jahren waren Hot Chip maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass elektronische Musik wieder so populär geworden ist wie zuletzt in den guten alten 90ern, als man noch mit Schlaghosen und Gelfrisur nicht gleich für schwul gehalten wurde. Kaum jemand, der nicht zu Überhits wie „Over And Over“ oder „Boy From School“ die Tanzfläche geentert hat. Nun also das vermeintlich schwere Album nach dem Durchbruch. Dabei war „The Warning“ nun wirklich nicht fehlerfrei. Einige Stücke verblassten regelrecht neben den großen Songs, man könnte auch Füllmaterial dazu sagen. Gute Chancen also, es diesmal noch besser zu machen und so richtig einen rauszuhauen.

„Out At The Pictures“ legt auch gleich munter los. Nach obligatorischem Intro wird hier mehr Arsch gewackelt als in den Videos von Snoop Dogg. Auch wenn Hot Chip hier ohne Rücksicht mehr Details in die Kanäle pressen, als das menschliche Ohr aufnehmen kann, so macht das einfach nur einen Höllenspaß. Auch „Shake A Fist“ verleiht, von dem nervigen Mittelteil abgesehen, mächtig Schub in die Beine und „Ready For The Floor“ macht sowieso einfach nur süchtig. Die beiden richtig großen Brecher heißen allerdings „Hold On“ und „Touch Too Much“. Ersterer ist sechs Minuten ungebremste Funkekstase. Auf die dazugehörigen Remixes darf man sich jetzt schon freuen. Der Zweite im Bunde ist, gerade weil er wie ein TV-On-The-Radio-Meisterwerk klingt, einer der besten Songs, die Hot Chip bisher fabriziert haben.

Doch „Made In The Dark“ hat auch ein zweites Gesicht und dieses Gesicht ist hässlich. Es erscheint immer dann, wenn Hot Chip auf das Bremspedal treten. Wo der Titeltrack noch in Ordnung geht, sind die anderen beiden Balladen („Whistle For Will“ und „In The Privacy Of Our Love“) ein Mittelding aus schlecht, langweilig und grausam. Aber auch die R&B-Anbiederung „We´re Looking For A Lot Of Love“ und das geradezu dümmlich wirkende „Wrestlers“ regen nicht einmal zu einem müden Gähnen an.

So viele Totalausfälle auf einem Album würden normalerweise nicht reichen, um eine Kaufempfehlung auszusprechen, wenn der Rest nicht so verdammt großartig wäre. Bleibt die Frage, warum es sich Hot Chip selbst so schwer machen und hier nicht einfach dreizehn dancy Tracks auf die Scheibe geschweißt haben. Die Antwort ist wohl die gleiche, wie auf die Frage, warum Hot-Chip-Kopf Alexis Taylor die hässlichste Brille der Welt trägt: man möchte einfach man selbst sein. Normalerweise löbliche Einstellung, aber es wäre doch so viel mehr möglich gewesen auf „Made In The Dark“, verflucht noch mal!

Benjamin Köhler

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