Rezension

We Are Scientists

Megaplex


Highlights: Notes In A Bottle // One In, One Out
Genre: Pop
Sounds Like: Manic Street Preachers // The Courteeners // Ash

VÖ: 27.04.2018

Ist das Pop oder kann das weg? Getreu diesem Motto haben We Are Scientists das meiste über Bord geworfen, was sie einst auszeichnete. Wer immer noch den Klassiker der 2000er Jahre, “Nobody Move, Nobody Get Hurt”, mit seinen schrammeligen Riffs im Ohr hat, wird nicht einmal auf die Idee kommen, dass die zehn Tracks auf “Megaplex” aus derselben Feder stammen (mit Ausnahme des recht rüstigen “Your Light Has Changed”). Die Gitarren gibt es bei den Jungs aus New York im Jahr 2018 nur noch in homöopathischen Dosen, quasi zur melodiösen Untermalung. Prägnanter sind die Anleihen am Sound der 80er. Gut, das ist nichts wirklich Neues. Wenn aber der Sound von Wham auf den von Depeche Mode trifft (“You Failed”), sind Fans der ersten Stunde kaum begeistert, für neutrale beziehungsweise neue Zuhörer aber klingt das gar nicht mal so verkehrt.

Geblieben sind die mäßig hochwertigen Texte, die in einem Kosmos aus 90er-Britpop (“Notes In A Bottle”) und 2010er US-Charts (“Heart Is A Weapon”) je nach Perspektive mehr oder weniger viel Charme versprühen. Bemerkenswert ist, dass We Are Scientists am Temporegler gedreht haben – und zwar nach unten. Nach eigener Aussage soll “Megaplex” ein Album sein, das Spaß transportiert, wahlweise zum Party oder Liebe machen. Wenn dem so ist, dann ist die Party auf jeden Fall fortgeschritten und die meisten Gäste im Rausch der Nacht auf einer Couch angekommen, auf der sie gedankenverloren mitwippen oder einen lieben Menschen im Arm halten. Für den Dancefloor ist die Platte schlichtweg zu langsam.

Geschickt kaschieren die Musiker die meisten Anleihen anderer Künstler der Popwelt. Oft stellt sich das Gefühl ein, diese Line genau so irgendwann mal gehört zu haben, um dann nach minutenlangem Grübeln der Erkenntnis zu weichen, dass da doch diese eine Note irgendwie anders ist. Vielleicht ein Job für Shaazam & Co., dieses Rätsel zu lösen... “KIT” schrammt haarscharf am Irish Folk vorbei, “Not Another World” zitiert Calypso-Sounds. Das ist wild, aber nicht dramatisch. Die Tracks folgen straight den Regeln des Pops, gerade auch, weil sie kaum länger als zweineinhalb oder drei Minuten lang sind. Ist dies das Erbe des Post-Punks? Quasi als Post-Post-Punk? Nein, es ist einfach das Ergebnis zweier kreativer Köpfe, die Spaß daran haben, nette Musik zu machen. Alles kann, nichts muss.

Mischa Karth

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Video zu "Heart Is A Weapon"
Video zu "One In, One Out"

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