Rezension

Sportfreunde Stiller

You Have To Win Zweikampf


Highlights: All Die Schlachten, Die Wir Schlagen // Dem Fritz Sein Wetter // Die Frisur Von Björn Borg
Genre: Deutschpop
Sounds Like: Baddiel, Skinner and the Lightning Seeds

VÖ: 19.05.2006

Vorbericht: Die Sportfreunde Stiller gehen in ihre vierte Saison. Nachdem sie gleich zu Beginn mit ihrer "So Wie Einst Real Madrid"-Mentalität die Spitze stürmten und die Meisterschaft im Folgejahr mit "Die Gute Seite" wiederholten, gelang ihnen mit ihrer Nachwuchsbemühung "Burli" nur mit Ach und Krach der Klassenerhalt, auch wenn die Vereinskasse gut gefüllt wurde. Nun setzen sie auf alte Tugenden und machen ihre Taktik für den neuerlichen Erfolg klar: "You Have To Win Zweikampf".

Spielbericht: Die drei Münchner machen von Anfang an Druck und landen mit "Unser Freund Ist Aus Leder" gleich einen Treffer. Die Fans gröhlen begeistert mit. Doch schon gibt es vom Anstoß weg einen lupenreinen Noveski: 2 Eigentore in kürzester Zeit.

Zuerst ist da das United Balls-Cover "Pogo In Togo". Auch zu vergleichen mit der Familie Cha. War Bum-kun Cha in den frühen 80ern ein origineller Hit auf den Fußballplätzen, so ist sein Ableger sympathisch und bemüht, aber doch ein wahrer Chancentod. Und die WM-Hymne "54, 74, 90, 2006" geht zwar munter ins Ohr und hat die richtige Message, ist aber ein lyrischer Fehlpass.

Ein wahrer Sportsmann lässt sich jedoch durch nichts erschüttern. Technisch holprig, aber gut gemeint und wahren Fußballfans unter die Haut gehend, schwelgen sie über "Eine Liebe, Die Nie Endet", bevor mit "Nix Geht Mehr" und "Budenzauber" zwei Spielzüge präsentiert werden, die ans erste Jahr erinnern, an Klassiker wie "Hockey" und "Wir Müssen Gewinnen". Leider nicht ganz so enthusiastisch, so dass es mit einem knappen Rückstand in die Halbzeitpause geht.

Bleibt die Hoffnung auf eine gute zweite Hälfte. Und siehe da: Mit der Bolzplatzromantik, die "Die Frisur Von Björn Borg" ausstrahlt, fällt der Ausgleich. "Die Beine von Briegel und die Arme von Pfaff" machen den Unterschied. Auf den Tribünen wird sich daran erinnert, wie man als Kind auf dem Ascheplatz im Dorf nicht unter seinem eigenen Namen auflief, sondern begeistert mit beiden Zeigefingern auf den imaginären Schriftzug auf dem Rücken gerichtet die Namen von Fußballgrößen rief, nachdem man den gegnerischen Torhüter ausgespielt und mit dem Außenrist ein Tor erzielt hatte.

Als dann noch "Dem Fritz Sein Wetter" einsetzt, scheint, in Erinnerung an das Wunder von Bern, der Siegestreffer nah. Sich dessen bewusst wird filigran auf die Missstände im italienischen Fußball ("Come Sara" - der perfekte Nachfolger von "Novanta Quattro") und augenzwinkernd auf bemitleidenswerte Kinder, deren Eltern wenig von der schönsten Nebensache der Welt überzeugt sind ("Mag Tischtennis"), aufmerksam gemacht.

Und kurz vor Spielende springen die Zuschauer auf. Ein Zuckerpass in die Spitze, Fallrückzieher, TOR! Mit einer Mut machenden Hymne für all diejenigen, die als Verlierer mit hängendem Kopf vom Fußballplatz gestolpert sind, für die Fans von Vereinen, die eine Ehrenrunde in einer unterklassigeren Liga als im Vorjahr drehen müssen, für all die ist "All Die Schlachten, Die Wir schlagen".

Fazit: Mit der Meisterschaft haben die Sportfreunde in dieser Saison genauso wenig zu tun wie mit dem Abstieg. Dank der originellen Aufmachung der neuen 11, besonders der limitierten Auflage mit Spielerstickern (Panini lässt grüßen) winkt die UEFA-Cup-Qualifikation über die Fairplay-Wertung. Und wie Fußball, so ist auch "You Have To Win Zweikampf" Familiensport. Denn was auf dem Rasen passiert, kann auch auf das Leben übertragen werden. Glaubst du nicht? Warst du je im Stadion?

Martin Korbach

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