Rezension

Jimmy Eat World

Integrity Blues


Highlights: You And Me // It Matters // The End Is Beautiful
Genre: Emorock
Sounds Like: Nada Surf // The Get Up Kids

VÖ: 21.10.2016

Wären Jimmy Eat World ein Kleidungsstück, dann wären sie ein Pullover, keine Frage. Und zwar nicht irgendeiner. Jimmy Eat World sind dieser eine Pullover, den du dir vor 15 Jahren gekauft hast und der heute immer noch in deinem Schrank liegt. Du trägst ihn nur noch selten, aber wirklich von ihm trennen kannst du dich auch nicht. Er ist natürlich schon etwas ausgeblichen und wurde vielleicht schon mal an der einen oder anderen Stelle gestopft. Kein Wunder – so häufig, wie du ihn früher immer getragen hast. Hauptsächlich behältst du ihn aus nostalgischen Gründen: Er erinnert dich an deine Jugend, an bessere, einfachere Zeiten. In der Öffentlichkeit tragen würdest du ihn zwar heute nicht mehr unbedingt, aber um sich im kalten Herbst gemütlich auf die Couch zu kuscheln, reicht er auf jeden Fall noch.

Das alles ist eine ziemliche umständliche Art, etwas auszudrücken, was man auch in einem oder zwei Sätzen auf den Punkt bringen könnte: Eine Band, die zu ihrer besten Zeit großartige, unpeinliche Emo-Rock-Songs geschrieben hat, veröffentlicht ihr neuntes Album. Es ist eine ziemlich solide Platte geworden, die niemanden besonders überraschen oder enttäuschen dürfte. Die Single „You With Me“ ist eine Art Mischung aus „If You Don’t Don’t“ und „Lucky Denver Mint“, reicht, was Intensität und Einprägsamkeit angeht, aber an keines der beiden Lieder heran. Auch „Sure And Certain“ schlägt direkt im Anschluss in dieselbe Kerbe. Der Rest des Albums ist dagegen eher ruhig gehalten. „It Matters“ ist zum Beispiel eine Powerballade (im besten Sinne des Wortes) in bester Jimmy-Eat-World-Manier. Schade nur, dass man nach diesen drei Liedern, die die offensichtlichen Highlights des Albums darstellen, erst beim vierten Track angekommen ist. Andererseits ist diese Songreihenfolge auch sehr ökonomisch: Wen zu diesem Zeitpunkt schon die Nostalgie gepackt hat, der kann jetzt einfach zu „Bleed American“ wechseln.

Dabei ist „Integrity Blues“ eigentlich wirklich kein schlechtes Album und auch weiter hinten finden sich unter anderem mit „You Are Free“ und „The End Is Beautiful“ noch laute und leise Songs, die Aufmerksamkeit verdienen. Nur überragend ist „Integrity Blues“ eben nicht geworden. Es ist einfach ein weiteres Jimmy-Eat-World-Album mit elf weiteren Jimmy-Eat-World-Songs, die hier und da an die gute alte Zeit erinnern. Das haut niemanden mehr wirklich vom Hocker. Man sagt ja, dass nach einer gewissen Zeit alles wieder modern wird. Ob das auch für Jimmy Eat World gilt, ist zwar fraglich, aber wer damit leben kann, ist mit „Integrity Blues“ ganz gut bedient.

Lisa Dücker

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"You With Me"
"Sure And Certain"
"Get Right"

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