Rezension

Gogol Bordello

Trans-Continental Hustle


Highlights: Break The Spell // When Inverses Collide // Pala Tute
Genre: Gypsy-Punk
Sounds Like: Manu Chao // Murder By Death // Yann Tiersen // Beirut

VÖ: 21.05.2010

Gogol Bordello sind live eine Wucht. Wer es wirklich schafft, bei einem Auftritt der Musiker um Eugene Hutz still zu stehen, nimmt auch Black Metal ernst und geht zum Lachen in den Keller. Ein Problem aber, was nahezu alle Bands, die live ein Erlebnis sind, teilen, ist der Umstand, dass es fast unmöglich ist, die Energie der Auftritte auf kleine Scheiben oder neuerdings in Dateien zu pressen und zuhause wieder abzurufen. Um dies hinzubekommen, ließen Gogol Bordello für „Trans-Continental Hustle“ Altmeister Rick Rubin an die Regler, dem es von Slayer bis Johnny Cash schon bei einigen Künstlern gelang, eine ganz besondere Atmosphäre einzufangen. Dazu gesellen sich noch etliche Gastmusiker und die Lebenserfahrung der Band, die Einflüsse verschiedener Kontinente und Kulturen einfangen konnte.

„Trans-Kontinental“ ist dieses Album merkbar in jeder Sekunde, in jedem Ton. Wer schon immer eine Zusammenfassung dessen haben wollte, was im Eine-Welt-Laden so Unterschiedliches an „World-Music“ angeboten wird, sollte sich unbedingt einmal mit Gogol Bordello befassen. Dennoch ist die Band keine, die sich zu sehr in die Sparte „Musik für Ökos und Weltverbesserer“ einreiht. Gogol Bordello sind ein Gewinn für jedes Festival, jede Party, die über das in-der-Küche-Rumstehen hinausgeht. Wodurch allerdings wieder die Frage im Raum steht: Funktioniert denn das jetzt auch aus der Konserve? Die Antwort ist: Ja, aber anders.

Ist es live vor allem das Gesamtbild der Band, was zum Mittanzen anregt, die rhythmischen Drums, Percussions und Streicher, ist „Trans-Continental Hustle“ so gemixt, dass vor allem die Stimme von Hutz im Vordergrund des Geschehens steht. Sein rauer, anpeitschender Gesang gibt jederzeit die Richtung vor, sei es, um die Violinen in „When Inverses Collide“ anzutreiben, oder romantischen Zigeunerballaden wie „Sun On My Side“ die passend melancholische Stimmung zu geben.

Sind einige Stücke des Albums hörbar dem Balkan zuzuschreiben, scheinen an anderen Stellen die Einflüsse aus Südamerika oder Afrika („Raise The Knowledge“) im Vordergrund. „In The Meantime In Pernambuco“ kann gar als der legitime Nachfolger des Hits „Start Wearing Purple“ angesehen werden und „Pala Tute“ klingt eingangs gar nach Klezmer, später undefinierbar. „Trans-Continental Hustle“ versammelt alle möglichen Einflüsse um sich und zeigt, dass die Welt schlussendlich doch nur ein großes Dorf ist. Geglückt ist das Experiment, den Sound Gogol Bordellos einzufangen, auf jeden Fall, auch wenn die Musik eine solche Vielfalt und Energie versprüht, die jeden Moment sagt: Ich will raus, auf eine Bühne und davor tanzende Massen.

Klaus Porst

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