Rezension

Gogol Bordello

Super Taranta!


Highlights: Supertheory Of Supereverything // Harem In Tuscany (Taranta) // American Wedding
Genre: Gypsy Punk
Sounds Like: nichts Vergleichbares

VÖ: 13.07.2007

Wie oft kommt es schon vor, dass man eine Band hört, und sich zunächst einmal schwer tut, sie einzuordnen, weil man einfach nichts Vergleichbares kennt? Bei Gogol Bordello könnte es vielen zunächst einmal so gehen. Da das Vorgängeralbum „Gypsy Punks – Underdog World Strike“ seinerzeit fast vollständig an der deutschen Musikpresse vorbeiging, zunächst einmal eine kurze Erklärung, um wen es sich hier überhaupt handelt. Um den exzentrischen Frontmann, den exil-ukrainischen 2-Meter-Hünen Eugene Hütz, der dem ein oder anderen auch als Schauspieler ein Begriff sein könnte, scharen sich diverse weitere Neu- New-Yorker mit osteuropäischem bzw. nahöstlichen Migrationshintergrund, die alle möglichen, auch traditionellen Instrumente in die Band mit einbringen und das ganze in der neu geschaffenen Musikrichtung „Gypsy Punk“ vereinen.

Was hat man sich also darunter vorzustellen? Nun, wie schon gesagt, reichlich experimentell ist die Gogol-Bordello- Mischung auf jeden Fall. Zu der gebräuchlichen Gitarre-Bass-Schlagzeug- Kombo gesellen sich unter anderem noch Geige und Akkordeon, und Eugene Hütz’ Englisch mit starkem osteuropäischen Akzent verleiht dem ganzen zusätzlich einen sogar noch exotischeren Anstrich. Entsprechend dem kulturellen Hintergrund der Band sind auch die Einflüsse weit gefasst: Punk vermischt sich mit Musik vom Balkan, der Sinti und Roma, und auch die traditionelle jüdische Musik kommt nicht zu kurz.

Klar, dass auch textlich die (oft humoristisch interpretierte) Thematik vom Clash der Kulturen im Vordergrund steht, ob es nun um „My Strange Uncles From Abroad“ oder ein „American Wedding“ geht. Auch das ach-so-leidige Thema Sprachbarriere wird (vermutlich aber ungewollt) thematisch behandelt, da Eugene Hütz gerne immer mal wieder ein paar Brocken Russisch einstreut. Um die Lyrics geht es aber eigentlich sowieso eher sekundär. „Super Taranta!“ ist vielmehr ein astreines Partyalbum, von der ersten bis zur letzten Sekunde. Schnelle Nummern, wie zum Beispiel der atemberaubende High-Speed- Polka von „Harem in Tuscany (Taranta)“ beherrschen das Bild, und selbst bei den wenigen langsameren Tracks fühlt man sich unweigerlich in eine alkoholgeschwängerte slawische Hochzeit hineinversetzt.

A propos Alkohol: Auch eine Ode an die Volksdroge Nr.1 (bei der der Eindruck entsteht, als wäre die gesamte Band beim Einspielen betrunken gewesen) fehlt auf „Super Taranta!“ nicht. Und wem der Zweck dieser Platte jetzt immer noch nicht klar ist, dem hilft Eugene Hütz mit gelegentlichem Party, Party!- skandieren auf die Sprünge. Ein Album, das definitiv reichlich Spaß macht! Wer allerdings den Vorgänger „Gypsy Punks – Underdog World Strike“ sein Eigen nennt, der kennt im Grunde genommen auch „Super Taranta!“ schon, da das neue Werk nahtlos da anknüpft, wo das alte aufgehört hat, diesmal leider auch ohne Überhymne im Stile von „Start Wearing Purple“. Jeder andere aber, sofern er nicht zu sehr in einer Musikrichtung festgefahren ist und auch das Niveau einmal in den Hintergrund stellen kann, wird an dem Album seine helle Freude haben.

Johannes Neuhauser

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