Rezension

Bill Callahan

Sometimes I Wish We Were An Eagle


Highlights: Jim Cain // Eid Ma Clack Shaw // My Friend // All Thoughts Are Prey To Some Beast
Genre: Singer-Songwriter // Folk
Sounds Like: Smog // Breathe Owl Breathe // Leonard Cohen // Nick Drake

VÖ: 27.03.2009

Es hatte seinen Grund, dass Bill Callahan auf seinem letzten Album "Woke On A Whaleheart" nicht mehr unter seinem Pseudonym "Smog" in Erscheinung trat, sondern das Album unter seinem eigenen Namen veröffentlichte. Der alte, schwermütige Bill Callahan schien der Vergangenheit anzugehören. Einen lebensfrohen und ausgelassenen Eindruck machte er auf diesem Album voller beschwingter und üppig instrumentierter Songs. Wie sollte man auch auf düstere Gedanken kommen, wenn man eine Frau wie Joanna Newsom an seiner Seite hat? Doch es kam zur Trennung der beiden. Würde Callahan nun in die alten Muster zurückfallen, oder gar die Flucht nach vorne antreten?

Der Beginn seines dreizehnten Albums "I Wish We Were An Eagle" lässt einen zunächst Schlimmes befürchten. Das tieftraurige "Jim Cain" eröffnet das Album mit trockenen Gitarrenpickings und zieht einen mit sich hinein in Callahans düstere Gedankenwelten. Lakonisch wie man ihn kennt, singt Bill Callahan seine schwermütigen Verse. "In case things go poorly and I not return / Remember the good things I've done", gibt er dem Hörer am Ende des Songs mit auf den Weg und lässt einen erst einmal schwer schlucken. Im weiteren Verlauf des Albums zeigt sich aber, dass es um Callahans Psyche wohl doch nicht so schlimm bestellt ist wie befürchtet. Auf "Sometimes I Wish We Were An Eagle" zeigt er sich textlich wieder einmal derart treffsicher, dass man sich vorzüglich anhand der Texte durch das Album arbeiten kann. "Eid Ma Clack Shaw" mag sich noch so dramatisch aufbauen, es kann sich eines ironischen Untertons nicht erwehren, und im nachdenklichen, aber keineswegs klagenden "The Wind And The Dove" verpackt Callahan seine Gedanken in klug gewählte Bilder, die von seiner großen Reife als Songwriter zeugen und auch die ausgeglichenen Songs "Rococo Zephyr" und "Too Many Birds" auszeichnen. "My Friend" zählt mit seinen einfachen und eindringlichen Versen zu den intensivsten Songs von "Sometimes I Wish We Were An Eagle". "All Thoughts Are Prey To Some Beast" schafft es sogar, die verschiedenen Naturmetaphern zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzufügen, das so viele Aspekte in sich vereint, dass man einfach nur staunen kann. Mit dem knapp zehnminütigen "Faith/Void", das sich geruhsam in stetiger Wiederholung weiterentwickelt, entlässt Bill Callahan den Hörer, ohne ihm einen weiteren seiner düsteren Gedanken mit auf den Weg zu geben.

Als Ganzes gesehen ist "I Wish We Were An Eagle" keineswegs der schwer zu verdauende Brocken, mit dem man bei Callahan immer rechnen muss, stellt allerdings einen gewaltigen Fortschritt zu dem für seine Verhältnisse viel zu gefällig geratenen Vorgänger dar. Dass dieses Album so reif und ausgeglichen wirkt, ist nicht zuletzt der nahezu perfekten Instrumentierung zu verdanken. Nie wird der Gebrauch der verschiedenen Instrumente zum Selbstzweck. Die Atmosphäre, die seine präzise formulierten Bilder erzeugen, gilt es zu unterstreichen, und das gelingt Callahan so hervorragend, dass man sich dem Sog, den "I Wish We Were An Eagle" erzeugt, nur schwer entziehen kann. Bei jemandem, der nach fast 20 Jahren musikalischer Aktivität noch einmal solch eine musikalische Großtat vollbringt, muss in Zukunft mit allem gerechnet werden.

Kilian Braungart

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