Rezension

Bill Callahan

Shepherd In A Sheepskin Vest


Highlights: Angela // Writing // 747 // What Comes After Certainty? // Call Me Anything
Genre: Singer-Songwriter // Country
Sounds Like: Smog // Lambchop // Leonard Cohen

VÖ: 14.06.2019

Über die letzten Jahrzehnte hat sich Bill Callahan, einst unter dem Namen Smog, als einer der großen Singer-Songwriter hervorgetan, sei es mit den frühen LoFi-Meisterwerken oder den Kritikerlieblingen der letzten Jahre. Was den Musiker dabei immer sympathisch gemacht hat, ist seine zurückhaltende, selbstkritische Art, seine klugen Texte, in denen er mit einfachen Worten Gefühlszustände so treffend beschreibt und sie mit seinem stets unaufgeregten Bariton vorträgt. Da passt es erstaunlich gut zu Callahan mit seiner trockenen Art, dass er mit der Geburt seines Sohns das Musikmachen fast an den Nagel gehängt hätte, wäre da nicht seine Frau gewesen, die ihn dazu brachte, doch wieder Songs zu schreiben. Deshalb hat es auch sechs Jahre gedauert, bis nun „Shepherd In A Sheepskin Vest“ erschienen ist.

„It feels good to be writing again“, singt er im wunderschönen „Writing“ – doch wie steht es denn um die Qualität der Songs? „Sometimes I have to wonder on / Where have all the good songs gone“, sinniert Callahan selbst über die Schwierigkeiten des eigenen kreativen Schaffensprozesses und legt uns mit 20 Songs über eine Stunde Musik vor, die vor allem in ihrer Gesamtheit, als Stimmungsbild, funktioniert und einen zunehmend einwickelt, mit sorgsamer akustischer Instrumentierung und dem wie immer sanften Gesang von Bill Callahan, zuweilen mit leichtem Country-Einschlag durch die Pedal-Steel-Gitarre. Doch obwohl „Shepherd In A Sheepskin Vest“ vor allem als Ganzes überzeugt, sind einige Highlights auszumachen, wie das sorgsam vom Schlagzeug vorangetriebene „747“ oder „What Comes After Certainty“, das mit so einfach-genialen Zeilen aufwartet wie „True love is not magic / It's certainty“. Das verspielte „Call Me Anything“ mit Marimbaklängen macht ebenso viel Spaß wie das impressionistisch ausklingende „The Beast“ als Schlusstrack des Albums.

Auch wenn „Shepherd In A Sheepskin Vest“ nicht wirklich seinen Platz im Alltag findet, sondern die volle Zuwendung in einer Abendstunde mit einem Glas schwerem Rotwein oder einem Glas Whiskey verlangt, so ist es doch ein weiteres hervorragendes Album in Bill Callahans nicht enden wollender fantastischer Diskografie. Gerade weil Bill Callahan seinen manchmal schwer zugänglichen Weg konsequent weitergeht, ist auch sein neues Album ein großes Album und ein wichtiges Album, das sich wenig darum schert, was andere machen, aber einen glücklich zurücklässt, wenn man ihm trotz seines erdrückenden Umfangs wirklich eine Chance gibt und genau hinhört.

Kilian Braungart

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