Rezension

Beatsteaks

Limbo Messiah


Highlights: Demons Galore // Cut Off The Top // Hail To The Freaks
Genre: Punkrock
Sounds Like: Gluecifer // The Clash // Rancid

VÖ: 30.03.2007

„Limbo Messiah“ - was ein komischer Name. Was die Beatsteaks wohl damit meinen? Fakt ist, nach drei Jahren gibt es neuen Stoff. Elf Lieder verteilen sich auf 31 Minuten. Klingt nach Punk, ist es aber nur bedingt. Die Berliner Jungs sind auf ihrer fünften Langrille experimentierfreudig. Das wirkt. Das neue Material ist spannend, zwingend wird es aber nur selten.

Sollte es der Sinn gewesen sein, einen der schwächsten Songs an den Anfang des Albums zu stellen, kann man den Beatsteaks gratulieren. „As I Please“ plätschert dahin, ohne mitzureißen. Trotzdem: Ausfälle hören sich anders an, Hits aber leider auch. Da hilft auch der interessante Basslauf nicht. Mit „Jane Became Insane“ machen sie es besser. Der Pop regiert und der Refrain entpuppt sich als verflixter Ohrwurm. Ziemlich tanzbar das Ganze, auch wenn das Riffing doch sehr an „Little sister“ von den „Queens Of The Stone Age“ erinnert – aber geschenkt. „Sharp, Cool & Collected“ zerrt den Hörer in den Pogo. „If the hole world goes kaputt“ heißt es darin. Trotz teutonischer Wortakrobatik bleibt wenig übrig. Fast food eben. Das folgende „Meantime“ entkommt dem Durchschnitt knapp. Da kann man sagen, was man will. Sobald poppige Melodien Einzug in die Songstrukturen halten, haben die Berliner ihre besten Phasen. Ein rundum stimmiger Song, der die Gehörgänge auf unspektakuläre Weise umschmeichelt, aber auch nach einigen Durchgängen ermüdet. Dass Sänger Arnim ein äußerst variables Organ hat, muss man nicht mehr groß erwähnen, man sollte es aber.

Zur Mitte hin steigert das Album seine Qualität. Die flimmernden Gitarren in „Demons Galore“ sind grandios. Das Schlagzeug zieht den Song nach vorne, eine schöne Up-Tempo-Nummer bei der der Bauch das Kommando übernimmt. Mit dem angedubten „Cut off the top“ lliefern die Beatsteaks nun auch den ersten Hit ab. Die Gitarren tönen nach Jamaica, der wummernde Bass sorgt automatisch für zuckende Gliedmaßen. „Kreuzberg, Kreuzberg“ intoniert eine Frauenstimme gegen Ende des Songs. Danke für die Erinnerung, dass die „Beatsteaks“ aus Deutschland kommen. Das ist bei diesem Lied notwendig.

Daraufhin poltert es wieder. „Bad Brain“ drückt auf die Tube. Der Bass pumpt im Zick-Zack. Die Breaks sitzen. Gar nicht mal so schlecht. Der Track drängt sich allerdings nicht auf, die Repeat-Taste bleibt ungedrückt. Muss man nicht sofort wieder hören. Später vielleicht – irgendwann halt. Bezeichnend für den Großteil des Albums. Das soulige „She Was Great“ kriecht dahin, wie ein Schweizer Sonntagsfahrer auf den deutschen Straßen. Arnim singt hoch, das passt zu dem Song, keine Frage, allerdings muss man hierfür in der richtigen Stimmung sein. „Soljanka“ ist weder Fisch noch Fleisch. Der erste Teil rumpelt sich mäßig durch den Punk, der zweite Teil ist pompös, ja fast schon orchestral. Warum nicht mehr davon? Schade, aber der Kummer darüber ist schnell verflogen. Das dunkle und wavige „Hail To The Freaks“ betreibt Wiedergutmachung. Begeisterung macht sich breit. Das kann man sich immer wieder anhören. Eines der wenigen absoluten Highlights dieser Scheibe. Aber so ist das nunmal bei den Beatsteaks. Ein paar Perlen finden sich immer auf den Outputs der Hauptstädter. Dass das nette „E-G-O“ nicht dazu gehört, sei hiermit noch erwähnt.

A propos „nett“: Die ganze Scheibe ist nett. Nette Songs von netten Menschen. Aber nett ist nunmal nicht das Prädikat für ein Hammeralbum. Die Spannung hält sich auf „Limbo Messiah“ nicht durchgängig. Ihre stärksten Momente haben sie dann, wenn der Pop die Oberhand gewinnt. Griffigen Punk und Hardcore können andere besser spielen. Aber nun ist Schluss mit dem Beschweren. Denn, wie gesagt, schlecht ist das Album nicht. Die Beatsteaks stehen nach wie vor auf der guten Seite der Macht und live rocken sie sowieso wieder alles weg. Also Daumen hoch für ein gutes Album.

Joachim Frommherz

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.