Rezension

Why?

Mumps, Etc.


Highlights: Jonathan's Hope // Sod In The Seeds // Strawberries // Bitter Thoughts
Genre: Indie-Rap
Sounds Like: The Streets // Eels // cLOUDDEAD

VÖ: 05.10.2012

Ansteckende Kinderkrankheiten, die Midlife-Crisis oder gesellschaftskritische Ansichten, all das wird bei Why? in sympathischen Rap-Parts, die sich mit melodischem Gesang abwechseln, zur Sprache gebracht. Obschon auf "Mumps, etc." der Sprechgesang überwiegt, ist es weit entfernt von aggressivem Gangster-Getue. Von prolligen Texten und all dem, was die gängige Rap-Musik sonst hin und wieder schonmal mit sich bringt, bleibt der Hörer hier verschont. Geradezu fröhlich-melancholisch stimmt "Mumps, etc.": Die Texte verleiten oftmals zum Nachdenken – wenn man denn Yoni Wolfs Wortspiele versteht – während die Instrumentierung, die auffällig und opulent arrangiert ist, einem ein Lächeln auf die Lippen zaubert. So singt Frontman Yoni in "Strawberries" zum Beispiel zu Glöckchenspiel und einer Melodie, die zum Mitwippen verleitet "No, I am not ok!" und unterstreicht die Ironie noch mit einem fröhlichen Pfeifen.

Bei all den Beats und Instrumenten, die es auf "Mumps, etc." zu hören gibt, könnte man in Versuchung geraten, zu vermuten, dass da einiges mit dem Computer arrangiert wurde. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Es wurde komplett auf Loops und andere Tüfteleien am PC verzichtet, die Platte wurde mit "echten" Instrumenten und ohne Soundstudio-Basteleien aufgenommen. Vielleicht ist es gerade das, was beim Hören das Gefühl eines Indie-Folk-Albums zurücklässt. Die merkwürdig anmutende Zusammenführung von Hip Hop, Indie-Rock und Folk hinterlässt einen angenehmen Nachhall, der zudem sogar für Ohrwürmer sorgt. Durch den Stilmix sind Überraschungsmomente garantiert, das auch noch nach dem fünften Hördurchgang.

Die vielen Soundideen stammen aus einer Sammlung, die sich die Jungs in den vergangenen Jahren auf Demos zusammengehortet haben. Eigentlich wäre es ja genug gewesen, mit den bereits vorhandenen Rohversionen der Songs weiter zu arbeiten, aber im Studio wurden Why? plötzlich vom Ehrgeiz gepackt. Sie engagierten ein Streichquartett, einen achtköpfigen Chor, einige Holzbläser sowie einen ganzen Satz Blechbläser und begannen all das analog auf 2-Zoll-Tapes aufzunehmen.

Nicht nur die Musik ist Why? gelungen, auch der übrige Medienauftritt kommt überaus charmant daher. So ist im Internet eine Why?-Serie zu finden, die die Entstehung einer fiktiven Dokumentation der Band zeigt. In sechs Teilen ist zu sehen, wie der Regisseur aus der zu "langweiligen und netten" Band Rockstars machen möchte – jedenfalls in seinen zusammengeschnittenen Aufnahmen. Da wären wir also wieder beim fehlenden Proll-Gehabe. Denn wenn man sich den Blog der Band, deren Facebook-Seite oder Live-Auftritte anschaut, dann merkt man schnell, dass hinter dieser großartigen Musik tatsächlich großartige, bodenständige Menschen stehen, die es gar nicht nötig haben, auf dicke Hose zu machen.

Marlena Julia Dorniak

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Documenting WHY?
Das Video zu "Strawberries"

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