Rezension

Villagers

Where Have You Been All My Life?


Highlights: Memoir // Everything I Am Is Yours // Courage
Genre: Folk // Indie
Sounds Like: Stornoway // Conor Oberst // Elliot Smith

VÖ: 08.01.2016

Der erste Blick auf die Tracklist von Villagers neuem Album lässt zunächst Schlimmes vermuten: Zwölf Songs sind darauf enthalten, von denen zehn bereits auf den drei Vorgängeralben “Darling Arithmetic”, “Awayland” und “Becoming A Jackal” zu finden sind. Doch die Befürchtung, es könne sich bei “Where Have You Been All My Life?“ um ein weiteres überflüssiges Greatest-Hits-Album handeln, ist glücklicherweise schnell verflogen. Denn statt einer losen Sammlung bekannter Villagers-Songs befinden sich auf “Where Have You Been All My Life?“ vielmehr komplett neue Interpretationen bereits veröffentlichter Tracks.

Die Idee, ein derartiges Album aufzunehmen, entstand während der letztjährigen Tour zu Villagers aktuellem Album „Darling Arithmetic“. Die Herausforderung, die es für Conor O’Brien und Band dabei zu überwinden galt, war es, die eher facettenreicheren Arrangements der Songs von “Becoming A Jackal“ und “Awayland“ an den deutlich intimeren und reduzierteren Sound von “Darling Arithmetic“ anzupassen, um so ein großes Ganzes entstehen und die Songs ineinander greifen zu lassen. So wurden die Songs bereits auf der Bühne neu eingespielt und O’Brien war von dem Ergebnis der ruhigen Interpretationen so begeistert, dass er sich entschied, diese auch im Studio festzuhalten.

Zusammen mit Soundengineer Richard Woodcraft (Radiohead) wurden insgesamt 18 Songs an nur einem Tag in den Londoner RAK Studios aufgenommen, von denen es letztendlich nun zwölf auf das Album geschafft haben. Neben zehn Songs von Villagers befindet sich darauf auch eine neue Aufnahme des Stückes “Memoir”, das O’Brien 2011 für die französische Sängerin Charlotte Gainsbourg geschrieben hat, und ein Cover von Conors Lieblingssong „Wichita Lineman“, einem Klassiker von Jimmy Webb.

Das Besondere an der Aufnahmesession war dabei, dass jeder einzelne Song nur ein bis zwei Mal aufgenommen wurde, um den direkteren und intimeren Sound einer Livesession auch im Studio zu bewahren. Angesichts der immens vielseitigen Instrumentierungen mit Kontrabass, Flügel, Harfe, Mellotron, Schlagzeug, Flügelhorn und Synthesizer also eine weitere Herausforderung, die es zu bewältigen galt, und die die Villagers letztendlich absolut fantastisch umgesetzt haben.

Herausgekommen ist so ein unglaublich harmonisches und bewegendes Album, das am Ende dann doch irgendwie als ein Greatest-Hits-Album bezeichnet werden könnte – nur eben zum Glück etwas anders interpretiert und alles andere als überflüssig.

Benjamin Schneider

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