Rezension

Tunng

And Then We Saw Land


Highlights: Hustle // It Breaks // Don't Look Down Or Back // October // Next Big Thing
Genre: Folk
Sounds Like: Iron & Wine // Herman Düne // Simon and Garfunkel

VÖ: 26.03.2010

TUNNG? Tunng? Tunng.? Die Schreibweisen, mit denen Tunng irgendwo im Web auftauchen, sind ganz schön vielseitig – und eigentlich doch irgendwo unnötig, weil es eh keine andere Band mit ähnlichem Namen gibt. Wo wir gerade schon mal bei dabei sind: Vielseitigkeit ist ein gutes, wenn nicht das beste Stichwort für Tunng. Es fällt schwer, die Band in eine Schublade zu stecken; "experimenteller Folk" passt vielleicht noch am besten. Bei dem letzten Album „Good Arrows“ waren elektronische Elemente deutlich stärker vertreten als bei „And Then We Saw Land“, die Stempel Elektronica oder Folktronica passen daher nicht mehr so richtig. Auch personell gibt es Veränderungen, der Mitbegründer Sam Genders hat die Band verlassen, dafür ist Songschreiber Ben Brickerton jetzt mit an Bord.

Tunng setzt auf dem neuen Album wieder auf verspielte Melodien, während die elektronischen Sounds unauffälliger und gezielter zum Zuge kommen und die Rhythmen deutlich variantenreicher geworden sind. Mehrstimmengesang gibt es auf „And Then We Saw Land“ in allen Variationen. Becky Jacobs und Mike Lindsay wechseln sich damit ab, langsam in einen Song einzusteigen, spätestens wenn beide Stimmen verschmelzen, hat es auch den letzten Hörer gepackt. Um da noch eine Schippe draufzulegen, gibt es in drei Songs einen fünfzehn Mitglieder starken „Mega Chorus“, bestehend aus Mitarbeitern und Trinkfreunden der Band. Die Stimmung des Albums balanciert zwischen Melancholie und Fröhlichkeit, dabei agiert Tunng immer höchst gefühlvoll. „Don't Look Down Or Back“ beginnt beschaulich und steigert sich dann mit dem einsetzenden, „Ohh-Ohh“ singenden Chor und einem eingängigen Gitarrenriff. Und weil es so schön war, flacht der Song dann noch einmal ab, um erneut in der Kombination Chor und Gitarrensolo zu gipfeln. Die Melodie des Openers „Hustle“ ist dermaßen fröhlich und mit Gitarre, Klavier, Banjo, Schlagzeug und Schüttelring so catchy, dass man sich grinsen und mitwippen nicht verkneifen kann, während beispielsweise “These Winds“ sehr reduziert ist und eigentlich nur aus vereinzelten Percussions und Stimmen besteht. Der „Mhh, Mhh“-Chor und Becky Jacobs zerbrechliche Stimme ergänzen sich auf eine ganz wundervolle Art und Weise und geben dem gerade mal 97 Sekunden langen Track etwas Zeitloses. Dass Tunng sich diesmal mehr an den Singer/Songwritern der 70's orientiert haben, zeigt das melancholische „October“, welches wie eine erfrischende Version von Simon and Garfunkels „Sound of Silence“ klingt.

Tunng liefern mit „And Then We Saw Land“ ihr bisher bestes Album ab. Bei so vielen musikalischen Facetten darf man gespannt sein auf das, was sich die Band beim nächstes Mal ausdenkt.

Marcel Eike

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