Rezension

Torres

Three Futures


Highlights: Skim // Helen In The Woods // To Be Given A Body
Genre: Singer-Songwriter // Alternative Rock
Sounds Like: Kate Bush // PJ Harvey

VÖ: 29.09.2017

Mit ihrem zweiten Album „Sprinter“ sorgte Mackenzie Scott, alias Torres, 2015 für großes Aufhorchen: Als habe PJ Harvey ihrem gereiften Folkrock-Sound den Rücken gekehrt, um sich auf ihre Wurzeln zu besinnen, hämmerte die US-Amerikanerin ihrem Publikum hier eindrückliche Introvisions-Lyrik mit breiten Grunge-Gitarren und dramatischer Stimmgeste ins Hirn und war zwischendurch dem perfekten düsteren Rock-Hit verdammt nahe. Für alle, die sich für das Nachfolgealbum mehr vom Gleichen gewünscht haben, ist „Three Futures“ aufs erste Hinhören eine ziemlich Enttäuschung. Aber: Dranbleiben lohnt sich.

Die E-Gitarren, das wird schon im Opener „Tongue Slap Your Brains Out“ deutlich, hat Torres nicht komplett aufs Abstellgleis verfrachtet, aber doch in den Hintergrund verbannt. Im Zentrum des Songwritings stehen diesmal eindeutig Synthesizer, wabernde Klangflächen und minimalistische pulsierende Beats. Verzerrte Rocksounds gibt es entweder in Form vereinzelter Licks, die verzieren und untermalen, oder als dröhnendes Feedback-Störgeräusch. Soweit die offensichtlichen Veränderungen. Viel wichtiger ist aber, dass zwei Dinge auf „Three Futures“ unverändert geblieben sind: Torres' Stimme und ihr Talent für großartiges Songwriting.

Mit ihrem getragenen, dunklen Gesang gelingt es Mackenzie Scott immer noch, zugleich verwundbar und altersweise zu klingen. „I am a tired woman / In January I will just be twenty-three“ sang sie auf „Sprinter“ und wenn man sich den neuen Titeltrack „Three Futures“ so anhört, scheint diese Müdigkeit eher noch zugenommen zu haben. Zum Glück, denn in melancholischen Momenten, in denen sie ihre dramatische Ader ausleben kann, ist Torres einfach am besten. Kombiniert mit dem experimentelleren neuen Sound und Songtexten, die ausgelutschte Metaphern erneut meilenweit umschiffen, rückt sie sich damit stellenweise selbst in die Nähe von Progpop-Meisterin Kate Bush, an die sie besonders in „Righteous Woman“ und „Concrete Ganesha“ erinnert – und das ist schon eine ziemliche Leistung.

Die PJ-Harvey-Assoziationen sind auf „Three Futures“ natürlich auch immer noch spürbar – etwa im exaltiert-schrägen „Helen In The Woods“. Vor allem trägt das Album aber die Handschrift von Mackenzie Scott, die sich mit erweitertem Sound und starken Songs Schritt für Schritt weiter der Unverwechselbarkeit annähert. Der achtminütige, von dröhnenden Orgelsounds und Beats getragene Song „To Be Given A Body“ am Ende der Tracklist gehört jedenfalls mit Sicherheit zum künstlerisch Eindrücklichsten und Aussagekräftigsten, was im Rock-Jahr 2017 so passiert ist.

David Albus

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