Rezension

The Mountain Goats

The Life Of The World To Come


Highlights: Philippians 3:20-21 // Hebrews 11:40 // Psalms 40:2
Genre: Folk-Rock
Sounds Like: Weakerthans // Death Cab For Cutie // Kings Of Convenience

VÖ: 09.10.2009

Es ist ja nichts Neues, dass auch zur Weihnachtszeit 2009 Christmetten eine der einzigen Gelegenheiten sind, in denen Menschen die Kirche besuchen. Diese U-Boot-Christen machen sich nichts aus den Inhalten der entleerten christlichen Rituale, die sie Jahr für Jahr wiederholen. Es werden immer mehr und verübeln kann man es kaum. Die Totalitarität, mit der die Kirche Moralvorstellungen verbreiten möchte, die nicht mehr in diese Zeit passen und für einen Glauben steht, der nicht nur in seiner radikalsten Ausprägung nicht mit einer industriellen Gesellschaft vereinbar ist, schreckt viele ab und verleitet sie dazu, ihr Glück auf anderen Wegen zu suchen.

Hier kommt John Darnielle ins Spiel. Auf dem letzten Album seiner Band The Mountain Goats verkörperte er den Häretiker, denjenigen, der vom Glauben oder vielmehr den Formalien der katholischen Kirche abweicht, dabei jedoch seine eigene Art des Glaubens entwickelt. Insofern sprach er mit diesem Titel vielen Katholiken aus der Seele und auch “The Life Of The World To Come”, auf den ersten Blick ein Album mit bibeltreuem Liedgut, entspricht ziemlich genau einer Auffassung, die sich unter Christen mehr und mehr durchsetzt. Denn wie der größte Vertreter popkultureller Alttagsphilosophie - Homer Simpson - bereits bemerkte, findet sich in der Bibel keine Antwort auf die Fragen des modernen Lebens und so entschlüsselt Darnielle hinter ausgesuchten Bibelversen seine eigene Interpretation dieser kryptisch-religiösen Lebensanweisungen. Er trägt die Geschichten des Alltags in das heilige Buch.

Müßig zu sagen, dass diese Geschichten wie immer die Großartigkeit von Darnielles lyrischem Genie widerspiegeln. Musikalisch gehen die Mountain Goats auch einen anderen Weg. Der raue Folk der Vorgängeralben wird dort abgeholt, wo er stehen geblieben ist und über die Grenze des Pop getragen. So ist es keine Überraschung, dass “Philippians 3:20-21” an Death Cab For Cutie und “Genesis 3:23” an die Weakerthans zu erinnern vermag.

“The Life Of The World To Come” ist eine Platte, die inhaltlich und musikalisch besser in diese Zeit passt als der meiste Röhrenjeans-Neonjacken-Indie-Pop in diesem Jahr. Ich bitte darum, es auf einen Versuch ankomen zu lassen.

Andreas Peters

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