Rezension

Pup

Morbid Stuff


Highlights: Morbid Stuff // Kids // City
Genre: Pop-Punk // Punk-Rock
Sounds Like: The Smith Street Band // Yellowcard // Simple Plan

VÖ: 05.04.2019

Wer hätte gedacht, dass Depressionen einen so unterhaltsamen Ausdruck finden können? Stefan Babcock, der bei Pup mit Stimme, Gitarre und Text vertreten ist, bietet einen ganz eigenen Zugang zu seinen Erfahrungen mit dem psychischen Leiden – und dieser ist erstaunlich humorvoll und trotz Tragik verdammt unterhaltend.

Mit „Morbid Stuff“ veröffentlichen Pup ihr drittes Album und liefern genau das, was der Titel der Platte verspricht: Ein buntes Potpourri lauter morbiden Zeugs. Dabei schaffen die vier Musiker aus Toronto, Kanada, keinen grundlegend neuen oder innovativen Sound. Nichtsdestotrotz bieten sie grundsoliden Pop-Punk und den ein oder anderen Frühlingshit gleich mit!

Laut ICD-10, dem aktuell gültigen Diagnosemanual für Erkrankungen aller Art in Deutschland, sind depressives Erleben und das sich daraus speisende Verhalten den sogenannten affektiven Störungen zuzuordnen. Das klingt nach einer sehr starren und pathologischen Klassifizierung, und das kann es mitunter auch bedeuten. Dass ein psychisches Leiden und ein Umgang mit diesem auch anders verhandelt werden kann, zeigen Pup auf ihrer neuen Platte. Eine Vielzahl der Tracks thematisiert die düsteren Seiten des menschlichen Daseins und Miteinanders: Unerwiderte und unerwünschte Liebe, Weltuntergangs- und Todesfantasien, und – als wenn das nicht schon genug des Unerträglichen wäre – den ein oder anderen Verweis auf den vielleicht nicht funktionalsten Drogenkonsum und eine gute Portion Selbsthass. Die also durchaus vorhandene Schwere dieser Palette an Themen können Hörer:innen beim ersten Lauschen der Platte dennoch in Teilen überhören. Denn soundtechnisch bietet „Morbid Stuff“ in Songs wie „Kids“ oder „Scorpion Hill“ vordergründig eingängige Gitarrenmelodien, mühelose Refrains gespickt mit vielen Gruppenchören und einfachen Songstrukturen, die auch als simple Pop-Punk-Hymnen funktionieren. Doch dann rollt gänzlich unerwartet – nach einem angetäuschten Start bei „Free At Last“ – mit „Full Blown Meltdown“ ein tatsächlicher Brecher mit seinen schweren Gitarrenriffs und allerlei verzerrtem Geschrei an und hinterlässt eine Schneise der … Verwirrung. Und das scheint ein geplantes Manöver zu sein, Pup spielen mit dem Moment der Irritation – oder anders gesprochen: Sie weiten den Blick und stellen textlich und musikalisch eine Diversität an Deutungsangeboten für die schweren Seiten des Lebens bereit.

Gerade aufgrund all der vermeintlich widersprüchlichen Eindrücke, die sich auf dieser Platte allerdings wunderbar zu einem stimmigen Ganzen verbinden, lohnt sich ein Reinhören. Und auch ein zweites bewusstes Lauschen wird bei der teils versteckten Tiefe der Songs belohnt!

Nicole Dannheisig

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Video zu "Kids"
Video zu "Free At Last"

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