Rezension

Poliça

Shulamith


Highlights: Chain My Name // Trippin // Tiff (feat. Justin Vernon) // Matty
Genre: Indie-Pop // Synthie
Sounds Like: Grimes // Lykke Li // Beach House

VÖ: 18.10.2013

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Poliça mit ihrem Debütalbum "Give You The Ghost" ordentlich Aufsehen erregten. Veröffentlicht im April 2012, endete das Jahr für die Band aus Minneapolis mit Auftritten in den prominentesten US-Late-Night-Shows und mittelgroßen ausverkauften Konzerten. Und das, obwohl die ersten UK-Shows etwa erst im Juni stattfanden. Bei der ganzen Aufregung könnte man meinen, dass kaum noch Zeit für weiteres Songwriting oder gar Aufnahmen geblieben sei im letzten aufregenden Jahr. Denkste! Schon ist das Zweitwerk "Shulamith" auf dem Markt.

Doch trotz Zeit für Aufnahmen und Songwriting war es scheinbar nicht genug für gute Ideen, neue Einflüsse oder Innovationen. Die Band hat, was ihre Soundpalette angeht, zwar genau ihre Nische gefunden und ist, was das angeht, auch relativ einzigartig, allerdings ist guter Sound leider nicht gleichbedeutend mit guten Songs. Somit ist "Shulamith", genau wie das Debüt, etwas, das man schön nebenher laufen lassen kann, weil es schön klingt. Sobald man anfängt, bewusster zuzuhören, wird es allerdings viel zu schnell beliebig und plätschert immergleich fortwährend vor sich hin. Ein paar wenige gute Songs wie der Opener "Chain My Name" oder "Tiff" (zu dem Justin Vernon seine Stimme leiht) bleiben hängen und taugen sicher für die Indie-Disko, auf Albumlänge steht dann aber doch viel Füllmaterial. Psychedelischer Synthie-Pop muss, so modern er auch ist, eben nicht immer spannend sein. Der schöne weibliche Gesang ist hier zwar sphärisch, hat oft leider aber die Tendenz zur Lustlosigkeit. Songs wie "Torre" oder "Very Cruel" sind gar leicht schräg anstrengend und hätten sicher noch einiger Reifung bedarft. So ist dann im Endeffekt das blutige Cover noch fast das Aufregendste an "Shulamith". Vielleicht hätte die Band sich einfach mehr Zeit lassen sollen.

Benannt ist die Platte übrigens nach der feministischen Aktivistin Shulamith Firestone, die der Sängerin Channy Leaneagh sehr viel bedeutet. So greift sie folglich auch in ihren Texten große Themen wie Integrität oder Sexualisierung auf. Textlich ist das Album somit fast relevanter als musikalisch, was man von einem solchen Synthiepop-Werk erstmal nicht unbedingt erwarten würde. Doch damit bleibt "Shulamith" dann wenigstens eine kleine Besonderheit.

Daniel Waldhuber

Sehen


Video zu "Warrior Lord"
Video zu "Tiff (feat. Justin Vernon)"

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.