Rezension

Pantha Du Prince

This Bliss


Highlights: Saturn Strobe // Walden 2 // Eisbaden
Genre: House
Sounds Like: Jimi Tenor // Amon Tobin // Phantom/Ghost

VÖ: 26.01.2007

Ein zierliches House-Album. Die Idee von House, die ein Indie-Sozialisierter produziert. Geschaffen von Hendrik Weber, dem geneigten Leser hier besser bekannt als Bassist der Hamburger Band Stella.

Zartheit und Verzierung bestimmen Pantha Du Prince’ zweites Album „This Bliss“. Nicht, dass dies Ambient-Musik wäre, doch entspricht das Album recht genau Eric Saties Idee einer Musik, die mehr im Hintergrund stattfindet, als bewusst gehört zu werden. Wobei Hintergrund mehr eine gesamte Kulisse, eine Landschaft meint, in der der Hörer, der Vordergrund fast verloren geht.

Nur selten gewinnt hier eine Bassline die Überhand oder wirkt bestimmend ein. Der Beat weckt eher Assoziationen eines Regenschauers im tiefen Wald, eines tropfenden Wasserhahns über einem Metalleimers. Meist wirkt dieses Album kalt. Synthesizersounds und Glockenklänge hallen durch leere Räume oder die Weiten eines unbewohnten Alls.

Wenn zwischendurch doch einmal etwas (kurzzeitig) warm und vorantreibend wirkt – z. B. in „Urlichten“, dem längsten Stück des Albums – und somit den Hörer in die umgebende Soundlandschaft hineinzieht, so ist dies so überraschend, das es sofort einen ekstatischen Schub verursacht. Dies sind die wenigen Stellen, an denen Hendrik Weber aka Pantha Du Prince, die minimalistische Struktur seiner technoiden Tracks aufbricht, in denen die Weite der Stücke fokussiert wird, sich konzentriert auf den Punkt, wo der Hörer ist.

Diese Musik, unabhängig, ob man sie bewusst hört oder sich vor ihr als Hintergrund verliert, erzeugt Stimmungen. Es sind nicht immer die Gleichen, und ich muss mich selbst einbringen. Insofern passt es, wenn ich persönlich bei „White Out“ eben nicht an die Orientierungslosigkeit denke, die durch mangelnde Kontraste in der Landschaft, in Hochgebirgs- oder Polarregionen auftreten kann. Passend ist dieser Titel dennoch, bietet der Track doch wenig Greifbares, wenige Konturen, zerfasert vielmehr und wirkt unstrukturiert.

„Seeds Of Sleep“ heißt der Abschluss von „This Bliss“ der wie das ganze Album eine beruhigende, aber in keiner Weise einschläfernde Wirkung hat. Vielmehr erwacht man, wenn der letzte Ton verklungen ist, aus einem tiefen Wohlbefinden und findet sich in einer Realität wieder, die man gar nicht wahrnehmen möchte, die einen überfordert, so tief hatte man sich in „This Bliss“ eingekuschelt.

Kann man sich dieser hypnotischen Wirkung entziehen? Ich glaube nicht außer vielleicht durch Nichthören.

Oliver Bothe

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