Rezension

Ólafur Arnalds

Some Kind Of Peace


Highlights: Woven Song // Back To The Sky // New Grass
Genre: Neo-Klassik // Elektro
Sounds Like: Nils Frahm // Peter Broderick // Johánn Johánnson

VÖ: 06.11.2020

„Some Kind Of Peace“ kann in diesen aufwühlenden Zeiten wohl so ziemlich jeder gebrauchen. Ólafur Arnalds lädt auf seinem neuen Album dazu ein, „das Leben mit all seinen Facetten zu akzeptieren wie es ist, loszulassen und vor allem darauf zu reagieren und nachzudenken, um den persönlichen inneren Frieden zu finden“. Hört sich im ersten Moment vielleicht etwas esoterisch an, aber im Grunde wissen wir alle, dass Musik solch eine Wirkung entfalten kann. Und wer, wenn nicht Ólafur Arnalds, wäre in der Lage dafür zu sorgen? Schließlich zählt der Isländer neben Nils Frahm zu den beeindruckendsten Sounddesignern der letzten Jahre.

Bei Arnalds haben seine neuesten Kompositionen zumindest funktioniert. Er selbst bezeichnet „Some Kind Of Peace“ als sein persönlichstes Album, was schon ein wenig was heißen will. Generell ist seine Musik ja eine äußerst intime Angelegenheit. Dieses Mal hat er allerdings ganz konkret eigene Lebensereignisse in seinen Stücken verarbeitet und dabei einen echten Selbstreinigungsprozess vollzogen.

Man kann beim Hören von „Some Kind Of Peace“ eine ähnliche Erfahrung machen oder zumindest nachvollziehen, warum Ólafur Arnalds nach der Produktion dieses Albums mit sich im Reinen war. Vorausgesetzt, man lässt sich darauf ein. Denn ein Selbstläufer zum nebenbei mal Anhören ist das neueste Werk des Isländers natürlich nicht. Es wäre auch zu schade, wenn man die fantastischen Arrangements einfach so an sich vorbeifliegen lassen würde.

Ólafur Arnalds fährt nämlich sein ganzes Repertoire an kompositorischer Expertise auf und da hat sich in all den Jahren einiges angesammelt. Brot und Butter sind sicherlich immer noch seine reduzierten und zum Sterben schönen Klavierstücke („Woven Hand“, „We Contain Multitudes“). Die werden eigentlich nur getoppt, wenn Arnalds zusätzlich auch noch Streicher auffährt („New Grass“, „Undone“). Seine Ausflüge in elektronische Gefilde kommen auf dem neuen Album ebenfalls nicht zu kurz, wie zum Beispiel in der Zusammenarbeit mit Bonobo („Loom“).

Und im besten Fall vereinigen sich alle Soundvariationen dann zu einem Song wie „Back To The Sky“, den Arnalds zusammen mit der isländischen Sängerin JFDR aufgenommen hat. Der vermutlich schönste Song des Jahres (Video ebenfalls) ist ein legitimer Nachfolger zu Björks „All Is Full Of Love“. Er fügt sich wunderbar ein in ein Gesamtwerk, das „Some Kind Of Peace“ nicht nur verspricht, sondern auch tatsächlich vermittelt.

Benjamin Köhler

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Video zu "Back To The Sky"
Video zu "Loom"

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