Rezension

Oceansize

Frames


Highlights: Unfamiliar // Trail Of Fire // The Frame
Genre: Progressive Rock // Post Rock
Sounds Like: Tool // Isis // Radiohead // The Cooper Temple Clause

VÖ: 28.09.2007

1998 schon als beste ungesignte Band Manchesters bezeichnet, dauerte es noch ganze fünf Jahre bis die fünf Jungs von Oceansize ihr erstes Album „Effloresce“ auf den Markt brachten. Eine bahnbrechende Veröffentlichung, die zurecht mit großem Kritiker-Lob weltweit honoriert wurde. Satte 75 Minuten Energie vom Feinsten. Seitdem geht es im Zwei-Jahres-Takt voran. Zuerst 2005 das melodiösere „Everyone Into Position“ und nun das bisher atmosphärischste Werk der Band „Frames“. Ein weiteres Mal haben Oceansize ihren Sound weiterentwickelt.

Mit dem Klang hat sich nun auch erstmals etwas in Sachen Besetzung geändert. Bass spielt nicht mehr Jon Ellis, sondern ein Herr mit dem vielversprechenden Namen Syndrome, eigentlich Steven Hodsen - den Hardcore-Oceansize-Fans aus des Schlagzeugers Nebenprojekt Kong gut bekannt. Inwieweit sich ein solcher Wechsel auf die Musik auswirkt, kann man nie so recht sagen, wirklich logisch erscheint es mir nämlich nicht, dass unsere Progressive-Briten durch einen Hardcore-Bassisten, der nach Angaben der Band deren eigenen Geschmack auf die Schippe nimmt, das bisher entspannendste der bisherigen drei Alben zur Folge hat. Entspannend ist relativ, Ausbrüche erster Klasse gibt es immer noch.

Bereits „Commemorative... T-Shirt“ zeigt, was sich in den letzten zwei Jahren getan hat. Gute 200 Sekunden dauert es, bis sich Sänger Mike Vennart das erste Mal zu Wort meldet. Sein Gesang hat sich verändert: Er wirkt kühler, distanzierter und noch ein Stück verzweifelter als früher. Die Gitarren bilden dazu eine Art Kontrast: Zwingender denn je - nochmal mehr Energie. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass Drummer und Bassist ebenso fabelhaft sind. Das Schlagzeug wird nicht umsonst selten als „Star des neuen Albums“ bezeichnet.

Nach diesem sich immer weiter steigernden Eröffnungsbrett folgt mit einem Schlag das zurecht als Single auserkorene „Unfamiliar“, der mit 6:32 kürzeste Track. In diesen sechseinhalb Minuten stecken gefühlte 35 Songideen - trotzdem nicht überladen. Genau das richtige Lied, um sich auf den vielleicht besten Oceansize-Song überhaupt einzustellen. „Trail Of Fire“ ist Musik in Perfektion. Oceansize mit einer gehörigen Portion Radiohead – und selbst diese Beschreibung lässt noch nicht auf die ganze Schönheit schließen. Unvorstellbar? Verständlich, aber wahr.

Um sicherzustellen, dass das hier nicht in einer ausführlichen Einzelsongbeschreibung endet, probiere ich mich kurz zu fassen. Jedes der neun Stücke (ja, auch Bonus-Track „Vorhees“) hätte es verdient, einzeln gelobt zu werden. Ob ein halbes Orchester am Ende von „Savant“ tobt, „Only Twin“ zwischenzeitlich völlig außer Rand und Band gerät, „An Old Friend Of Christy’s“ nach fünf Minuten brutalst ausbricht, man bei „Sleeping Dogs And Dead Lions“ gar nicht mehr mitkommen kann oder ob der (beinahe) Titeltrack einfach nur zu schön für diese Welt ist (womit doch jeder mehr oder weniger gelobt wäre) – das dritte Album „Frames“ ist großartig.

Paul Weinreich

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