Rezension

Oceansize

Self Preserved While The Bodies Float Up


Highlights: Oscar Acceptance Speech // It's My Tail And I'll Chase It If I Want To
Genre: Progressive-Rock
Sounds Like: Amplifier // Dredg // Blackfield // 65daysofstatic

VÖ: 03.09.2010

Ist Oceansize eine dieser Bands, die mit ihrem ersten Album schon alles gesagt hat? „Effloresce“ war vor sieben Jahren schlichtweg ein Meisterwerk und kam genau zur richtigen Zeit, um dem schon schlecht riechenden Progressive-Rock-Genre eine erfrischende Dusche zu verpassen. Die beiden Nachfolger „Everyone Into Position“ und „Frames“ hatten zwar zweifellos ihre Momente, doch es machte sich so ein wenig ein schleichender Niedergang bemerkbar. Ein Eindruck, der durch das nunmehr vierte Werk von Oceansize nicht nur bestätigt, sondern sogar erheblich verstärkt wird.

Auf „Self Preserved While The Bodies Float Up” lassen sich nur noch Bruchstücke der Energie ausmachen, die die Band aus Manchester einst so ausgezeichnet hat. Stattdessen offenbaren Oceansize erschreckende Einfallslosigkeit und der Versuch, dieses Problem durch stark verkürzte Songs zu kaschieren, scheitert ebenfalls. Gerade einmal drei Songs knacken die Fünf-Minuten-Grenze, doch bis auf die letzten Minuten von „Oscar Acceptance Speech“ und „Silent/transparent“ können auch diese Stücke nicht überzeugen.

Der Rest des Albums lässt sich ganz einfach in zwei Schubladen stecken. In der einen knüppelt die Band ziellos drauf los, ohne dabei in den meisten Fällen einen roten Faden zu finden, der so etwas wie eine gelungene Struktur ermöglichen könnte. Lediglich „It’s My Tail And I’ll Chase It If I Want To“ und damit der kürzeste Song des gesamten Albums bildet hier eine erfreuliche Ausnahme. In der anderen Schublade befinden sich die reduzierten, ruhigen Songs, die, man kann es nicht anders sagen, einfach nur tödlich langweilen. Gerade auch, weil Mike Vennarts überschaubares Gesangsspektrum einfach nicht für derart Musik gemacht zu sein scheint.

Natürlich sollte man den letzten Nagel vorsichtshalber mal noch nicht in den Sarg rammen, aber nach „Self Preserved While The Bodies Float Up“ fällt es verdammt schwer, die Eingangsfrage nicht mit einem glasklaren „Ja“ zu beantworten. Das ist traurig, weil man Oceansize durchaus noch mehr zugetraut hätte, als „nur“ ein „Effloresce“. Immerhin tröstet die Tatsache etwas, dass die meisten Bands ja nicht einmal das schaffen.

Benjamin Köhler

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