Rezension

Laura Marling

Short Movie


Highlights: False Hope // Don't Let Me Bring You Down // Short Movie
Genre: Folkpop // Folkrock
Sounds Like: Marika Hackmann // Joni Mitchell // Cat Power

VÖ: 20.03.2015

Man muss Laura Marling alt geworden sein. Eben noch am Anfang ihrer Karriere, jetzt schon beim fünften regulären Album. Da steuert wohl alles auf ein baldiges Ende mit der Musik zu. Aber nein, alles Quatsch natürlich. Gerade 25 Jahre ist Frau Marling dieses Jahr geworden. Dass sie schon seit ihrem ersten Album „Alas, I Cannot Swim“ vor sieben Jahren klingt, als hätte sie längst ein halbes Jahrhundert voller Lebenserfahrung hinter sich, sollte mittlerweile jeder gemerkt haben, der sich für Folkrock interessiert. Aber schon bei ihrem letzten Album „Once I Was An Eagle“ wurden die ersten Unkenrufe laut. Was kann sie ihrer Musik eigentlich noch hinzufügen und braucht es wirklich alle zwei, drei Jahre ein neues Album? Damit macht man es sich natürlich sehr einfach, ist doch bisher jedes ihrer Alben gut bis sehr gut gewesen. Ein Qualitätsverlust macht sich jedenfalls bei weitem nicht bemerkbar. Allein der Überraschungseffekt bleibt etwas auf der Strecke. Und jetzt plötzlich „Short Movie“.

Das neue Album von Laura Marling weiß zu überraschen. Wo sich die unnahbare Künstlerin auf den letzten beiden Werken sehr distanziert zeigte und ihre Musik immer eine anmutige Kälte umwehte, ist ihr neues Album viel direkter und zugänglicher. Das Tempo lädt zum Mitwippen ein und das ein oder andere „böse“ Wort rutscht der Engländerin über die Lippen, wenn sie sich in Rage singt. Lauter, energiegeladener und poppiger klingt Marling anno 2015. Und auch ihrer Stimme versucht sie neue Nuancen abzugewinnen. Da geht es hoch und höher und wer die Boxen zu laut hat, wird überrascht sein, wie die Ohren auf manche Töne reagieren. Das ist nicht immer perfekt, aber allein der Versuch ehrt die junge Künstlerin mit der alten Seele. Und überraschend ist das an der ein oder anderen Stelle allemal.

Natürlich sind es immer noch Gitarren-Folk-Songs, wie man sie erwartet, und der ein oder andere Song hätte sich so auch schon auf dem letzten oder vorletzten Album finden können, aber Laura Marling vorzuwerfen, dass sie ihre Relevanz verliert, wäre mehr als vermessen. „Short Movie“ ist ihr bereits fünftes gutes Album und es zeichnet sich noch lange kein Ende ab. Eher sogar das Gegenteil, scheint sie doch wieder voller Energie und Experimentierfreude zu sein. Man darf gespannt sein, wie diese Frau erst in zehn Jahren klingt und sollte für jedes neue Album dankbar sein.

Arne Lehrke

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