Rezension

Laura Marling

I Speak Because I Can


Highlights: Rambling Man // Darkness Descends // Hope In The Air
Genre: Folk // Bluegrass // Singer-Songwriter
Sounds Like: Noah And The Whale // Johnny Flynn

VÖ: 26.03.2010

Nach der Veröffentlichung von Marlings 2008er Erstlingswerk „Alas, I Cannot Swim“ stimmte man allseits eine Ode auf das Wunder „Laura Marling“ an: ein zartes, elfenähnliches, junges Mädchen mit glasklarem Stimmchen das erstaunliche Musik hervorbringt, welche man nur einer reifen, abgeklärten Seele zuschreiben würde. Schnell drückte man ihr den Stempel „Ausnahmetalent“ auf und verwendete sie gerne als Aushängeschild für die britische Folkwelle.

Verständlich also, dass dieses Jahr interessiert auf Marlings Folgealbum „I Speak Because I Can“ geblickt wurde, um zu prüfen, ob die junge Britin ihr süßes, durch das erste Album angedeutete, Versprechen auch halten kann: Ist sie nun das Wunderkind, dass alte Hasen des Folk und Singer/Songwriter in den Schatten stellt? Hier kann sicherlich ausgiebig gestritten werden, die Frage ist nur, ob man das überhaupt sollte. Denn, ob Marling nun der große Messias ist, der seine Goldstimme in unsere Ohren legt, sei zur Diskussion freigegeben, dass sie jedoch eine sehr talentierte Künstlerin ist, ist eine Tatsache.

In aller Bescheidenheit fängt einen „I Speak Because I Can“ durch zarte Melodien, mitreißende Rythmen und, nicht zuletzt, mit dem entzückenden Gesang Marlings ein. Das Niveau, dass der Opener des Albums „Devil's Spoke“ vorlegt, wird mit jedem Stück der Platte gehalten. Mehr noch, Perlen wie „Rambling Man“, „Darkness Descends“ oder „Goodbye England“ lassen einen mitunter den Atmen anhalten und immer wieder den Repeat-Knopf betätigen. Hierbei wird der Hörer flüsternd verführt, genauer hinzuhören, wenn sich die schnörkellosen Arrangements um Marlings Stimme ranken, sie ergänzen und zum Glänzen bringen ohne jemals überladen zu wirken.

Laura Marling springt keinen an und bittet auch nicht um Aufmerksamkeit. Sie nimmt einfach ihre Songs auf, mit Texten die Geschichten auf eine Art und Weise erzählen, wie es auch Tim Burton nicht hätte besser machen können: mysteriös funkelnd und manchmal scheint es, als vertraue Marling einem ein Geheimnis an, dass kein zweiter weiß.

Lässt man seine Augen durch die Poplandschaft gleiten, wird man niedergewalzt durch Lady Gaga in Fleischkleidern, Rihanna mit blonden/schwarzen/roten Haaren oder Kesha mit unmöglichen Gesichtsbemalungen die keine Ruhe geben und nach Aufmerksamkeit brüllen obwohl längst vergessen wurde, wofür sie diese eigentlich bekommen sollten. Wie Balsam legt sich da Marling auf das gequälte Gemüt. Sie besticht durch ihre Einfachheit, steht da mit ihrer Git style="margin-bottom: 0cm;"arre und gesenktem Blick und spielt ihre eindringlichen Lieder, die doch den Eindruck der Erlösung entstehen lassen.

Laura Marling ist kein Jesus. Sie ist Künstlerin, die den Fokus endlich wieder auf etwas richtet, was durch pompösen Kitsch oft verloren geht: gute Musik.

Silvia Silko

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