Rezension

Laura Marling

Semper Femina


Highlights: Soothing // Wild Fire // Nouel
Genre: Singer-/Songwriter // Blues // Pop
Sounds Like: Bob Dylan // Lisa Hannigan // Joni Mitchell

VÖ: 10.03.2017

Es ist eine berechtigte Frage, wohin sich eine Künstlerin noch entwickeln soll, wenn sie schon mit 16 Jahren wie eine abgeklärte, alte Seele klingt. Dennoch scheint dieser Wissensvorsprung Laura Marling nie geschadet zu haben. Sie hat mit jedem Album ein neues und reiferes Ich hervorgebracht und sich scheinbar jedes Mal ein Stückchen näher zu sich selbst bewegt. Die einfachen Folk-Melodien sind komplexer geworden, Blues- und Jazzelemente haben in Marlings Repertoire ihren Platz gefunden und die Lyrics erreichen immer wieder poetische Höhen.

Mit jedem Album und mit dem Prozess des Erwachsenwerdens hat sich Marling aber auch immer weiter in ihren Elfenbeinturm zurückgezogen. Sie strahlt eine intellektuelle Kühle aus, mag keine Gefälligkeiten auf der Bühne und gibt äußerst selten Interviews. Auf „Semper Femina“ spricht sie über Rilke, Schönheit, weibliche Stärke und Verletzlichkeit – dies aber mit einer so schonungslosen Ehrlichkeit, dass man Marling mit ihrer ganzen Seele entblättert vor sich sieht. Trotz der Distanz und Verkopftheit, die man Marling unterstellen möchte, hat sie mit „Semper Femina“ ein rundum gelungenes Popalbum abgeliefert. Sie schafft es, alte Helden wie Bob Dylan oder Nick Drake in die Moderne zu übersetzen – und das völlig ungezwungen, ehrlich und weiblich.

Die Auseinandersetzung mit dem „Frausein“ oder besser „Frauwerden“ war für die Künstlerin bisher auf jeder Platte Thema, erreicht hier jedoch seinen Höhepunkt. Neben den Erkenntnissen zur Weiblichkeit kristallisiert sich dank „Semper Femina“ vor allem eines heraus: Laura Marling beweist einmal mehr, dass sie einfach eine verdammt gute Songwriterin ist.

Silvia Silko

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