Rezension

Japandroids

Post-Nothing


Highlights: alles
Genre: Lo-Fi Garage Rock
Sounds Like: No Age // Mika Miko // Wavves // Times New Viking

VÖ: 11.09.2009

Dämliches Wortspiel im Bandnamen und unglaublich hässliches Cover-„Artwork“. Macht aber nichts. Die Zeiten, in denen man noch durch den richtigen Namen und eine innovative Covergestaltung berühmt werden konnte, sind mit den Dinosauriern schon längst ausgestorben. Heute bestimmt das Internet, wer durchstartet und wer nicht. Und das Internet sprach zu den Japandroids: Ihr seid groß, ihr startet durch! Und schon liegt ein weiteres Album mit allerhand Vorschusslorbeeren auf dem Schreibtisch. Zu gerne würde man da mal dagegen schießen, einen ordentlichen Verriss schreiben. Nur das Problem dabei ist: Internethypes sind übermäßig häufig einfach gerechtfertigt. Auch im Falle von „Post-Nothing“ ist das nicht anders.

Sicherlich kommt den Japandroids zugute, dass im Moment jeder nur noch Lo-Fi hören will und Sound Engineers und Produzenten deswegen reihenweise zum Arbeitsamt pilgern. Im Gegensatz zu Bands wie Wavves oder Times New Viking, die versuchen, mit ihrem Soundbrei so nah wie möglich an die Unhörbarkeit zu gelangen, geben die Japandroids im Kräftemessen "Melodien vs. Krach" allerdings ersteren den Vorzug. Was so ein Überdenken der Prioritäten nicht alles ausmachen kann. Denn das Resultat ist nichts anderes als die am meisten Spaß machende Platte in 2009 soweit (die es vermutlich auch bleiben wird).

Das Duo Brian King (Gitarre) und David Prowse (Drums) schrammelt und scheppert sich in guter Alter Garagen-Rock-Manier durch 35 Minuten „Post-Nothing“ und liefert dabei acht lupenreine Hits ab, als wäre es irgendeine Nebensächlichkeit. Das sind keine am Reißbrett entworfenen Kunstwerke, sondern aus dem Bauch heraus gefeuerte Glanztaten, die in dieser Intensität nur möglich sind, wenn die Band unbelastet hinsichtlich des mörderischen Musikbusiness' und/oder sie nicht bereits am zweiten Album zerschellt ist. Solch seltenen Ereignisse saugen wir pseudokritischen Musikjournalisten natürlich wie ein vertrockneter Schwamm auf.

Das musikalische Grundrezept ist dabei relativ einfach: die Gitarre schmeißt mit unverschämten Ohrwurmriffs um sich und die Drums geben die Schlagzahl vor. Dazu teilen sich King und Prowse den Gesang und klingen dabei nicht selten nach den seligen Death From Above 1979. Die Lyrics sind einfach, was in diesem Falle aber wirklich scheißegal ist. Hauptsache, man kann Zeilen wie “We used to dream / Now we worry about dying” mitsingen beziehungsweise mitleben, wenn in “Young Hearts Spark Fire“ mal wieder das Tempo angezogen wird. Sowieso neben den unwiderstehlichen Melodien die ganz große Stärke des Albums: die Tempowechsel. Es ist im Prinzip wie beim Stadtverkehr: Kurz anhalten und dann wieder mit Vollgas auf die nächste Ampel zuheizen. Bei jeder Verschnaufpause zuckt dabei der Fuß ungeduldig auf dem Gaspedal, denn die Japandroids haben keine Zeit, ihre Energie in Stillstand zu vergeuden und nach 35 Minuten merkt man erst so richtig, wie langsam sich die Erde eigentlich dreht. Nach dem Genuss von „Post-Nothing“ eindeutig zu langsam und der Finger wandert in Lichtgeschwindigkeit zum Repeat-Knopf.

Benjamin Köhler

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