Rezension

Gorillaz

Plastic Beach


Highlights: Stylo // Melancholy Hill // Sweepstakes // Rhinestone Eyes // Some Kind Of Nature
Genre: Pop
Sounds Like: The Good, The Bad & The Queen // Blur // Beck // Damon Albarn

VÖ: 05.03.2010

Als 2001 das Debüt der Gorillaz rauskam, war ich mit vierzehn Jahren gerade mal alt genug, um den Namen Damon Albarn mit Blur in Verbindung zu bringen, ohne wirklich mehr von der Band zu kennen als die gängigen Songs. Dass dieser Damon Albarn hinter der lustigen Comicband stand, wusste ich durch die Lektüre diverser Musikzeitschriften, doch so richtig interessiert hat es mich nicht, um ehrlich zu sein. Klar, „Clint Eastwood“ war ein Knaller und auch so hatte die Platte einiges zu bieten. Der Bastard aus Pop und Hip-Hop, von dem ich mich damals loszusagen versuchte, war für mich keine Alternative zu der schönen, neuen Welt des Indie-Rock, den ich damals für mich entdeckte.

Auch Album Nr. 2 der Gorillaz, 'Demon Days', sprach 2005 eine ähnliche Sprache. Mit dem Schaffen Albarns nun etwas vertrauter, verfolgte ich diesmal die Veröffentlichung mit Interesse und durfte feststellen, dass alles nun viel mehr Sinn ergab. Der Funk-Einschlag, den 'Demon Days' mitbrachte und die Versöhnung mit dem Hip Hop, die ich bereits vollzogen hatte, taten ihr Restliches dazu. Nach einer Veröffentlichung mit dem All-Star-Projekt The Good, The Bad & The Queen 2007 und diversen Verstrickungen in Projekte seines Labels Hones Jon`s bringt Albarn nun den letzten Streich der Comic-Helden heraus, der für alle, die interessiert sind, noch einmal zusammenfasst, was er in den letzten 19 Jahren im Popbetrieb so gelernt und entwickelt hat.

Der Hip-Hop-Einschlag tritt deutlich kürzer – mit Gastauftritten von Snoop Dogg, sowie Kano, Bashy und erneut De La Soul – und hinzu treten eine große Portion Elektropop, ein Hauch Ambient, ein Schuss Funk und ein Eimer voll Blur. Diese Zutaten werden in der 'World Music'-Küche von Honest Jon's verarbeitet und popgerecht zubereitet. Heraus kommt ein 16-Songs-Opus, das nicht in jedem, aber doch in vielen Momenten große Pop-Perlen hervorbringt.

Nach einem orchestralen Intro blubbert der Wilkommensgruß von Snoop Doog dubbig um die Ecke. The revolution will be televised ist die klare Ansage in Anspielung auf Gil Scott-Heron. Klare Ansage deswegen, weil der 'Plastic Beach' eine aus Zivilisationsmüll bestehende Insel im Pazifik ist, auf die sich die Gorillaz zurückgezogen haben, um mit dieser Platte das Geld wieder einzuspielen, das Murdoch Niccals, der Comic-Kopf der Band, bei Pyramiden-Spekulationen verloren hatte. Das jedenfalls ist die fiktive Biografie hinter dieser Platte, die nett und ansehnlich ist, zur Rezeption der Platte jedoch nichts beiträgt und dennoch den leicht zivilisationskritischen Unterton erklärt.

Interessanter ist da die Mischung aus Grime und Calypso („White Flag“), aus Elektropop und Soul (Bobby Womack und Mos Def in „Stylo“), der kehlige Beitrag Lou Reeds zu „Some Kind Of Nature“ oder die Ohrwurm-Melodien im großartigen „Melancholy Hill“, das Albarn gesanglich alleine bestreitet. Erwähnenswert auch, wie sich aus dem Rap Mos Defs auf einen Dub-Step/Grime-Bastard in „Sweepstakes“ mit Hilfe des Hypnotic Brass Ensembles noch ein Jazz/World-Music-Feuerwerk entwickelt.

Zum Abschluss das Beste. Alles richtig gemacht, Herr Albarn.

Andreas Peters

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