Rezension

Fotos

Kids


Highlights: Alles Offen
Genre: elektronischer Indiepop
Sounds Like: Klez.e // PeterLicht // Klee

VÖ: 31.03.2017

Zu Beginn ihrer Karriere waren Fotos hauptsächlich für zwei Dinge bekannt: Ihr Cover von Deichkinds „Remmi Demmi“ und deutschen Partyindie, der so simpel wie sympathisch war. Von diesen beiden Markenzeichen haben sich die Hamburger schon schnell verabschiedet. Bereits die Alben zwei und drei waren dunkler und verspielter. Nun kommt nach sechs Jahren Funkstille die vierte Platte mit dem Namen „Kids“ und wieder mal ist alles anders.

Der Sound ist jetzt wesentlich elektronischer geworden: Die Gitarren sind größtenteils Synthesizern gewichen. Dieser Stilwechsel war ganz bewusst. Die Musik sollte wieder spontaner und weniger glatt klingen. In zahllosen Jamsessions wurde mit allerlei neuen Instrumenten experimentiert, um eine Unmittelbarkeit und Spontaneität zu erreichen, die den Mitgliedern von Fotos wohl zuletzt gefehlt hat. Leider führt dieses Vorgehen aber vor allem zu ausufernd-mäandernden Songs, die meistens die Vier-Minuten-Marke überschreiten und dabei wenig Spannung aufbauen. Oft genug erwischt man sich bei der Frage, welcher Track gerade läuft – und das, obwohl das Album nur neun Lieder hat. Über den Titel „Kids“ müssen wir wohl nicht reden, ebenso wie über die gruseligen Kinder ohne Augen auf dem Albumcover.

Am besten sind Fotos auf ihrem neuen Album, wenn sie ihren neuen Sound mit alten Tugenden verbinden. „Alles Offen“ verbindet die elektronischen Neuerungen mit der Repetitivität der frühen Texte zu einem hypnotisierenden Ritt. Leider sind diese Augenblicke auf „Kids“ sehr selten. Die Lieder sind nicht mitreißend und bleiben trotz aller Spielereien eher langweilig. So wirkt das Album leider mehr wie ein 38 Minuten dauernder Jam und nicht wirklich wie ein durchdachtes zusammengehöriges Album.

Lisa Dücker

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Video zu "Alles Offen"
Liveversion von "Melodie Des Todes"

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