Rezension

Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen

Alle Ampeln Auf Gelb


Highlights: Kennst Du Werner Enke? // Das Unglück Bin Ich // Der Amateur // The Out-Crowd
Genre: Northern Soul
Sounds Like: Superpunk // Four Tops // The Kinks

VÖ: 09.05.2014

Wenn man sich „Alle Ampeln Auf Gelb“ so anhört, wundert man sich manchmal schon. Waren Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen nicht eigentlich die mit den Liedern über Fußball? Kenne ich das nicht alles irgendwoher? Warum wirken die Texte teilweise so dilettantisch, obwohl die Herren doch schon seit über 20 Jahren im Musikgeschäft sind? Die Gentlemen antworten prompt mit einer Gegenfrage – „Kennst Du Werner Enke?“ – und lassen den Hörer 20 Minuten mit seinen Gedanken und ihrer Musik alleine. Erst dann folgt mit „Der Amateur“ die Offenbarung: „Ich liebe einfach, was ich tu / und Fehler gehören nun mal dazu“, „Ich hätte zwar nichts gegen Geld oder Ruhm / aber ich bin nicht gemacht für's Profitum“.

Das Liebhabertum stand bei DLDGG schon immer hoch im Kurs und jetzt bietet es den Hamburgern einen perfekten Aufhänger, um sich als Laien und Outsider zu inszenieren. Dies ist nämlich ein Thema, das sich durch das gesamte Album zieht und in beinahe jedem Lied zu finden ist. Die Gentlemen gehen „Alleine Auf Partys“, um dort als ungeladene Gäste den ganzen Trubel aus einer Ecke misstrauisch zu beäugen. Sie verstehen ihre Nachbarn nicht und hetzen ihnen die UNO auf den Hals – und das alles nur, weil diese so gerne „Rock-Pop National“ hören. Ein altbekanntes Thema, das schon bei Superpunk immer gerne besungen wurde, greifen DLDGG schließlich mit „Das Unglück Bin Ich“ auf. Statt Top Old Boys sind sie nun „The Out-Crowd“: „Wir stehen draußen und wir schauen rein.“ Natürlich gehört auch eine gesunde Portion Namedropping dazu. Aber selbst das fällt entsprechend nerdig aus. Man huldigt einer Figur aus einem alten Woody-Allen-Film, Hamburgs beliebtem Park Planten un Blomen und dem Regisseur Werner Enke, der mit Qualitätsfilmen wie „Nicht fummeln, Liebling“ bekannt geworden ist. Der Titeltrack des Albums ist eine Hommage an Peter-Ernst Eiffe, den (laut Wikipedia) ersten Graffitikünstler Deutschlands, dessen Lebensweg er nachverfolgt.

Musikalisch gesehen hat sich seit dem Debütalbum nicht viel verändert. Der Sound ist jetzt vielleicht ein bisschen smoother und zitiert ein bisschen mehr Disco als Rock'n'Roll – und manchmal sogar Queen. Queen? Ach, egal. Noch ein paar mal die Beach Boys, Hot Chocolate und Labels wie Flying Nun und Ata Tak erwähnen, schon ist die Street Credibility wieder hergestellt. Ganz allgemein schwelgt Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen aber in den gewohnten Gefilden des Northern Soul und Beat. Es wurden allerlei Blasinstrumente eingebaut, sodass der Sound voll und authentisch klingt. Im Kontrast zur tollen Instrumentalisierung fallen aber die Texte wieder als merkwürdig unrund auf. Macht aber auch nichts. Gehört ja anscheinend zum Konzept und ist irgendwie charmant. Außerdem kann man dem erklärten Amateur die mangelnde Professionalität ja schlecht vorhalten. Ein äußerst kluger Schachzug der Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen, die den Hörern ein ordentliches zweites Album vorlegen, das ohne große Ausreißer nach oben oder unten auskommt.

Lisa Dücker

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