Rezension

Destroyer

Trouble In Dreams


Highlights: Dark Leaves Form A Thread // Foam Hands // My Favorite Year
Genre: Indie-Pop
Sounds Like: Sunset Rubdown // David Bowie // The Flaming Lips // Built To Spill

VÖ: 21.03.2008

Was tun, wenn man ein Album schlecht findet, das man eigentlich gut findet?

Ergibt diese Frage einen Sinn? Die Antwort lautet: ja. Zwar kann man ein Album kaum gleichzeitig gut und schlecht finden, aber ob es einem gefällt, kann doch sehr von der eigenen Stimmung abhängen. Und im Moment finde ich "Trouble In Dreams", das mittlerweile neunte Album der kanadischen Band Destroyer, schlecht. Ich fand es auch schonmal gut. Aber momentan, hier, jetzt - berührt mich die Musik nicht, erscheinen die Texte sinnlos, Dan Bejars Gesang nervtötend. Was natürlich übertrieben ist, aber: kein Rauch ohne Feuer.

Mehr Rauch später. Vorher jedoch zurück zu der Zeit, als ich "Trouble In Dreams" gut fand. Es waren die ersten Durchläufe, draußen schien zwar nicht die Sonne, doch das beschwingte "Dark Leaves Form A Thread" entpuppte sich schnell als potentieller Hit des bestimmt irgendwann kommenden Frühlings, genau wie "My Favorite Year" inklusive unendlich oft wiederholtem, ziemlich genialem Gitarrenriff. "Foam Hands", deutlich melancholischer, überzeugte ebenfalls. Den Satz "I didn't know what time it was at all" wiederholt Bejar hier so oft, dass einem die Uhrzeit bald selbst egal wird. Man konzentriert sich auf "Foam Hands" - auch an den schlechten Tagen ein Höhepunkt des Albums.

Die schlechten Tage. Oder auch: der Rauch. Oben genannte Gründe für das Missfallen sind definitiv Ansichts- bzw. Geschmackssache - zuallererst Dan Bejars Stimme, die einen nerven kann, aber nicht muss. Seltsam wohlgemerkt, dass ich beim Vorgänger "Destroyer's Rubies" - oder wenn Bejar bei Swan Lake oder den New Pornographers singt - überhaupt kein Problem damit habe. Vielleicht enthält "Trouble In Dreams" eine Überdosis Bejar, zu viel Wort, zu wenig Ton. Womit wir bei den Texten wären: Es geht um Tulip, Susan, Nicole, Jenny, Libby, deine Freundin, ... . Spaß. Abgesehen von den vielen Frauengeschichten fällt auf, dass Bejar sich durchaus bewusst zu sein scheint, wie schwierig es ist, seine Geschichten zu verstehen. Im ersten Lied "Blue Flower/ Blue Flame" erklärt er lässig: "A woman by another name is not a woman. I'll tell you what I mean by that. Maybe not in seconds flat, maybe never." Ziemlich clever.

Nun muss Komplexität - oder Sinnlosigkeit - der Texte selbstverständlich kein Grund sein, um ein Album schlecht zu finden. Es gibt genug Alben, die, obwohl es schwer fällt, die Texte zu verstehen, völlig großartig sind, bestes jüngeres Beispiel vielleicht Joanna Newsoms umwerfendes "Ys". Woran es "Trouble In Dreams" viel schmerzlicher fehlt, sind Melodien, die den Hörer bewegen. Vom Umwerfen ganz zu schweigen. Begeistern können im Wesentlichen die aufgezählten Highlights. Möglich, dass ich, als ich das Album gut fand, noch die Hoffnung hatte, dass sich der Rest des Albums mit der Zeit positiv entwickelt.

Was tun, wenn man ein Album schlecht findet, das man eigentlich gut findet? In diesem Fall: feststellen, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt. Wer sich unter der Musik von Destroyer nach dieser Rezension nichts vorstellen kann, sollte reinhören. Meine Meinung aber: lohnt sich nicht. Ob man mir vertrauen sollte? Besser nicht. Ich zitiere aus "Foam Hands": "I'm not the kind to tell you what is true and what is totally out of control..."

Mario Kißler

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