Rezension

Brian Fallon

Sleepwalkers


Highlights: Forget Me Not // Sleepwalkers // My Name Is The Night (Color Me Black) // Watson
Genre: "Heavy R'n'B"
Sounds Like: The Gaslight Anthem // Ryan Adams // Hank Williams // The Horrible Crowes

VÖ: 09.02.2018

Wer sich in The Gaslight Anthem verliebte, war Nostalgiker. Fühlte sich in einer vergangenen Welt zuhause, in der nicht Jennifer Lawrence, sondern Judy Garland die Herzen verzauberte, Miles Davis den Jazz regierte und natürlich auf jeder Autofahrt das Radio und nicht die Spotify-Playlist angeschaltet war. Und dachte natürlich mit Brian Fallon immer wieder an Mary, Matilda, Mae und jedes Mädchen namens Maria zurück. Oder, wie er es auf „Sleepwalkers“ selber sagt: And we sold our souls on the fantasies we found in records and black and white movies.

Die Vergangenheitsform der Zeile aus „Etta James“ lässt es vermuten: „Sleepwalkers“ schaut in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit, ist dabei aber kaum weniger melancholisch, steht doch immer wieder die eigene Sterblichkeit im Vordergrund. Das noch beswingt mit Chören und Handclaps ausgeschmückte „If Your Prayers Don't Get To Heaven“ – das jetzt schon mehr Radio-Airplay zu bekommen scheint als die komplette Diskographie seiner Hauptband – und „See You On The Other Side“ (als abschließende Akustik-Gitarren-Ballade einer der wenigen Treffer beim Gaslight-Bingo) rahmen das Album, auch andere Songs wie „Proof Of Life“ oder das zum Weinen schöne „Watson“ beschäftigen sich mit den Ängsten, alleine sterben zu müssen oder von der Nachwelt vergessen zu werden.

Der Carpe-Diem-Gedanke, der einem solchen Memento Mori oft folgt, manifestiert sich auf Fallons zweitem Solo-Album in (gerade auf den zweiten Blick) deutlicher Kreativität und Experimentierfreude. Der Sound einer Vox-Continental-Orgel (Fallon lernte für „Sleepwalkers“ das Klavierspielen), wie man sie von Tom Petty und The Specials kennt, zieht sich durch das komplette Werk, „Forget Me Not“ highfivet den 60's Pop, die Bläser-Einsätze im Titeltrack bringen den Einfluss des Entstehungsorts New Orleans auf den Punkt.

Insofern verwundern nun, noch mehr als zum Solo-Debüt „Painkillers“, die Hohnsprecher, die der Musik Fallons, ob solo oder mit The Gaslight Anthem, entweder Stillstand vorwerfen oder sich zu „Sink Or Swim“ zurückwünschen. Zwar mag der Gaslight-Fan einen Hang zu Nostalgie haben – im Falle von Brian Fallon war jedoch nicht unbedingt früher alles besser. Nur anders.

Jan Martens

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