Rezension

Brian Fallon

Painkillers


Highlights: A Wonderful Life // Rosemary // Red Lights
Genre: Folk // Rock
Sounds Like: Chuck Ragan // The Horrible Crowes // The Gaslight Anthem

VÖ: 11.03.2016

So sehr beide Richtungen auch vom Klischee her auseinanderdriften: Folk scheint eine ungeheure Faszination auf Punkrocker auszuüben. Chuck Ragan und Frank Turner sind nur zwei Beispiele für Genrevertreter, die auf ihren Soloausflügen gerne die Akustikgitarre in die tätowierten Hände nehmen. Auf ähnlichen Pfaden wandelt nun Brian Fallon – obgleich „Painkillers“ in erster Linie eigentlich eine logische Fortführung von The Gaslight Anthem ist.

Denn obwohl manche der bereits vor „Get Hurt“, dem letzten Album des New-Jersey-Quartetts, geschriebenen Songs als unpassend für die Band abgestempelt wurden, ist es nicht nur Fallons sanft rauchige Stimme, die vielen Stücken sofort den Weg in den Backkatalog der Band geöffnet hätten, auch eine gewisse latente Melancholie, Gedanken an Frauengeschichten der Vergangenheit und Träume für die Zukunft bilden einen thematischen Grundpfeiler – nur dass die Rockgitarren, die schon auf „Get Hurt“ teils seltener waren, meist endgültig in den Hintergrund geraten und mehr Raum für Slidegitarren, Handclaps oder Backgroundvocals lassen. „Mojo Hand“ versprüht sogar ein gewisses Hippie-Gefühl.

Da nicht nur diese Mittel Fallons Stimme treffend ergänzen, sondern auch alte Gaslight-Stärken wie der Powerrefrain in „Rosemary“ wieder so funktionieren wie in ihren Hochzeiten, ist Painkillers vor allem für jene ein Album, denen The Gaslight Anthem zuletzt zu sehr stagnierten beziehungsweise qualitativ nachließen. Andererseits führt dies natürlich dazu, dass einem so manche Songs oder Gitarrenläufe dann doch von Fallons Hauptprojekt bekannt vorkommen – „Steve McQueen“ im Vergleich zu „Here's Looking At You, Kid“ anyone? So ganz kann mancher Punkrocker eben doch nicht aus seiner Haut – er kann sich nur ein Holzfällerhemd drüberziehen.

Jan Martens

Sehen


Video zu "Painkillers"

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.