Rezension

Blaudzun

Jupiter (Part II)


Highlights: When We Wrote This // Outside The Lights Of The City // Manic Talk
Genre: Indie-Rock
Sounds Like: Cold War Kids // Dry The River // Arcade Fire

VÖ: 03.03.2017

Jupiter II ist, wer hätte das gedacht, der Nachfolger von Jupiter I und der Übergang zu Jupiter III. Mit dem ersten Album der Trilogie versuchten Johannes Sigmond und seine Mitmusiker, sich von dem zwar ehrenvollen, aber auch einschränkenden Ruf, die niederländischen Arcade Fire zu sein, zu befreien. Dieses Ziel wurde erreicht, allerdings konnten die neuen Songs nicht mit dem Schwung des großartigen „Promises of No Man's Land“ mithalten. Mit Jupiter II soll es nun zurück in die Erfolgsspur gehen und das gelingt.

Das Album besteht aus neun lebhaften neuen Songs, die sehr unterschiedlich daherkommen. Auf dem mit knapp 40 Minuten Spielzeit recht kurzen Album erkennt man jedoch deutlich Blaudzuns Vorliebe für Krautrock und den jungen bis mittleren Bowie. Aus diesen Wurzeln erwächst ein dynamischer Indie-Rock, der Elemente von Jupiter I aufgreift, aber endlich etwas Besonderes daraus macht. Das Album überzeugt durch atemberaubende Arrangements, Sigmonds unverkennbares Timbre und die eingängigen, aber stets raffinierten Melodien, die die treibende Energie des Schlagzeugs gut aufgreifen.

Herausragend sind "When We Wrote This" und "Outside The Lights Of The City": Die Refrains wirken sehr eingängig und geradezu explosiv, wobei letzterer Song dazu noch einen gut tanzbaren Rhythmus hat, der sich gegen Ende des Songs in einen galoppierenden Part auflöst. Das eher ruhige "Modern Talk", das sehr träumerisch, fast lethargisch dahinfließt, gefällt ebenso wie das instrumentelle "Manic Talk", welches einen richtiggehend vom Hocker reißt. Dem Song von nur zwei Minuten Länge, in denen das durchdrehende Schlagzeug, die quakenden Bläser und der dröhnende Bass den Hörer wie ein Wirbelwind ergreifen, kann man sich nur schwer entziehen. Den Song „Mud“ gibt es gleich zweimal, als zweiten Song in einer anpeitschenden Fassung und als „Mud (Airplane Mode)“ als gesetztere Version, die Stärke und Ruhe ausstrahlt und somit einen vorzüglichen Abschluss des Albums bildet.

Jupiter II verlangt als klassischer Grower etwas Geduld, die aber nach wenigen Durchläufen belohnt wird. Die vor Kreativität strotzenden Songs machen Freude und es ist doch immer wieder ein Genuss, zu erleben, wenn sich ein Künstler aus einem Inspirationsloch befreit und zurück zu alter Stärke findet. Da stellt sich nur noch eine Frage: Wann erscheint Jupiter III?

Marcel Eike

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