Rezension

Adam Green

Gemstones


Highlights: Over The Sunrise // Gemstones
Genre: Folk-Pop
Sounds Like: Evan Dando // The Shins // Ben Kweller // Bob Dylan

VÖ: 10.01.2005

Der Lausbub des Pop ist zurück. Und er hat alles mitgebracht, außer Zeit: In einer halben Stunde schlängelt er sich durch 15 Songs. Auch draußen bleiben mussten die Streicher, die sein fulminantes Album "Friends Of Mine" trugen. Hier nun das Bandalbum. Auf Tour enstanden und vor allem für Livegigs konzipiert. Mit einem "Bluebirds" ähnlichen Akkord legt er los. Ein Klavier fügt sich ein und die Stimme wirkt vom ersten Moment an warm und herzig. Allein in dem Opener schlägt Green mehr Haken als ein Hase auf der Flucht. Und am Ende keift er "She's a very funny girl, but I love that crazy bitch allright." und die Orgel fordert so herrlich zum Tanz auf, aber schon ist wieder alles vorbei. Ist das nun seine Stärke, dass er die Songs nicht lange auskleidet und an ihnen rumbastelt und auf übliche Länge zieht, sondern sie kurz hält? Oder ist er einfach nur ein fauler Kerl, der es sich etwas zu einfach macht? Diese Frage stellt man sich tatsächlich, weil es einen rasend macht, dass hier alles schon so schnell zu Ende ist. Bleibt als Ausweg die Repeat-Taste.

Wenn man die dann mal rausnimmt (und es ist wirklich sehr schwierig erstmal über den ersten Track herauszukommen), folgen weitere 27 Minuten mit netten Arrangements und frechen Texten. Wer dachte "No Legs" könne man an Unverschämtheit nicht mehr toppen, wird in "Carolina" eines besseren belehrt. Der 23-jährige singt von roten Ziegelsteinen die aus ihrer Vagina fallen, wie ihre Lippen und Titten schmecken und so weiter. Und denoch würde ihn unsere Oma zum Kaffeekranz einladen. Weil er all die kleinen Sauereien so charmant vorträgt, dass man ihm nichts übel nehmen kann. Und jetzt muss der Vergleich raus: Adam Green ist der Michel aus Lönneberga des Pop!

Und der ist gereift. Zu einem Sänger, der zwischen verschiedenen Gesangslagen und -stilen springt. Und zu einem Musiker, der ein perfektes Gefühl für Melodien hat, sie perfekt umsetzt und mit Tempiwechseln versetzt, die immer wieder überraschend auftauchen und denoch nicht den Bogen der Rundheit überspannen.

Adam Green wird spätestens jetzt aus der Eliteliga der Singer/Songwriter nicht mehr wegzudenken sein und vor allen mit den Songs dieses Albums live auftrumpfen können.

Carsten Roth

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.