Interview

Torpus & The Art Directors


Nordisch herb, wie ein Jever, bespielen uns Torpus And The Art Directors seit ihrem Debüt 2012 mit Folk made in Germany. Drei Jahre haben uns die Friesländer auf ihr zweites Album "The Dawn Chorus" warten lassen. Natürlich kommt mit der neuen Platte auch gleich die Möglichkeit, die Band live zu sehen. Vor ihrem Konzert im Berliner Privatclub treffen wir Sönke Torpus zum Interview.

Die Schaltung des Vans gibt den Geist auf, ein Stau folgt auf den anderen, das Zeitmanagement gerät ins Wanken und nachdem alles geschafft ist und man sich kurz in die Berliner Sonne stellen und durchatmen will, fängt es natürlich an zu regnen. Dennoch sitzt uns ein gut gelaunter Sönke Torpus gegenüber und nimmt das alles nicht so ernst.

Sönke: Ich bin inzwischen so weit, dass ich über diesen Tag nur noch lachen kann!

Jetzt fehlt nur noch, dass bei eurem Auftritt dann der Strom ausfällt oder so.

Sönke: Ach, bekanntlich sind die Auftritte nach so einem Tag immer die besten!

Sehr gute Einstellung! Ihr scheint ja auch sonst kein humorloser Haufen zu sein. Ich finde euer Video zu "Known, Seen, Judged" immer wieder aufs Neue wahnsinnig amüsant. Wie kam es zu diesem Dreh?

Sönke: Wir sind einfach große Kegelfans! Wir möchten diesen Sport gerne wieder stärker etablieren, das ist leider so aus der Mode gekommen. Früher sind wir in der Familie, etwa bei Omas Geburtstag, immer gemeinsam Kegeln gegangen. Das war einfach der Klassiker, in diesen alten, nach kaltem Rauch riechenden Kegelbahnen aus den 60er Jahren den Tag zu verbringen. Leider war der Dreh am Ende gar nicht so spaßig: Nach 13 Stunden Kegeln hatte ich am nächsten Tag den totalen Arschmuskelkater!

Nun habt ihr gerade eure neue Platte veröffentlicht. Ihr habt euch für "The Dawn Chorus" schon ein bisschen Zeit genommen, oder?

Sönke: Ja, ich hab mir beim Schreiben sehr viel Ruhe gegönnt. Ich war viel in Hamburg unterwegs, bin durch die Stadt geschlendert und habe nach Menschen und Orten gesucht, die was mit mir zu tun haben oder mich interessieren.

Unterwegs sein und die Menschen: Wie ist das – siehst du was und dann kommt die Inspiration ganz plötzlich? Es soll ja auch Leute geben, die sich betrinken und dann anfangen zu schreiben...

Sönke: (lacht) Das hab ich früher mal gemacht, da konnte ich das noch. Ich habe aber gemerkt, dass verkatert schreiben manchmal sehr gut sein kann. Einfach, weil man da teilweise so ganz verqueren Gedanken nachhängt und irgendwie nicht so ganz von dieser Welt ist. Ansonsten sind das unterschiedliche Situationen: Manchmal sehe ich etwas und möchte mir eine Geschichte dazu überlegen, oder ich mag den Klang eines Wortes und dann baue ich da etwas herum. Es ist dann viel Spielerei. Auch viel Wortspielerei.

Bei euch dann aber ja auf Englisch. War auf Deutsch schreiben nie eine Idee für dich?

Sönke: Nicht wirklich. Ich habe mit acht Jahren ein paar deutsche Lieder geschrieben und dann noch mal eins mit 21. Aber sonst war das tatsächlich nie ein Thema. Ich habe schon immer englische Songs gehört und diese Musik ist auch englisch für mich. Ich finde, diese Art der Songs funktioniert nicht mit deutscher Sprachmelodie. Wenn ich Songs schreibe, denke ich auf Englisch.

Wie genau kommt es denn, das man das Gefühl hat, dass euer neues Album insgesamt etwas runder und organischer klingt als das Debüt?

Sönke: Also, wir sind grundsätzlich keine Band, bei der so direkt beim Jammen im Studio spontan Songs entstehen. Ich komme mit einer Songidee ins Studio und die anderen tragen dann ihren Teil dazu bei. Bei dieser Platte war es aber so, dass meine Grundideen schon noch sehr stark von den anderen weitergedacht und -entwickelt wurden. Da ist dann gemeinsam als Band noch mal sehr viel mehr passiert.

Gibt es für dich als Songwriter eigentlich irgendeinen bestimmten Song, bei dem du immer wieder denkst: "Verdammt! Warum habe ich diesen Song nicht geschrieben?"

Sönke: Oh ja! Viele! Aber lustig, dass du das gerade fragst. Auf dieser Tour begleitet uns ein Song schon die ganze Zeit. Uns allen geht dieses Stück gar nicht mehr aus dem Kopf und wir covern es mittlerweile, weil wir es so unglaublich gut finden, und zwar ist es "When The Devil's Loose" von A.A. Bondy – der perfekte Song. Den hätte ich gerne geschrieben!

Das ist auf jeden Fall ein sehr entspannter Song.

Sönke: Ja! Wobei wir versuchen, den noch ein wenig stärker wie so einen Old-school-Country-Song zu spielen. Wir werden den Song heute Abend auf jeden Fall auch covern.

Ich bin sehr gespannt auf eure Handschrift bei dem Titel. Zum Thema "eigener Sound": Ihr werdet häufig mit "Mumford & Sons" verglichen, was ihr selber gar nicht so gerne hört, oder?

Sönke: Nein, tatsächlich nicht. Das klingt dann immer so, als wären wir einem Trend gefolgt und als hätten wir keinen eigenen Sound. Wir haben schon immer die Musik gemacht, die uns nun mal gefallen hat und die wir auch selbst gehört haben. Wir würden dieselben Songs schreiben, egal ob es Mumford & Sons nun gäbe oder nicht, da sind wir stur.

Warum habt ihr euer Album eigentlich "The Dawn Chorus" genannt?

Sönke: Wir mögen die Dämmerung. Da ist der Tag noch offen und beginnt erst gerade. Das hat für mich was mit Optimismus zu tun. Und den braucht man hin und wieder – besonders an einem Tag wie heute. (lacht)

Silvia Silko

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