Rezension

Yann Tiersen

All


Highlights: Tempelhof // Erc‘h (Wood) // Aon (Fear)
Genre: Ambient // Eso-Pop
Sounds Like: Sigur Rós // Andrew Wasylyk // William Basinski

VÖ: 15.02.2019

Es ist eine Herkulesaufgabe, alles zu vertonen. Yann Tiersen stellt sich dieser Herausforderung mit Fieldrecordings, ätherischen Gesängen und einer Unzahl verschiedener Klangerlebnisse. Produziert wurde in The Eskal, einer ehemals verlassene Diskothek auf der Insel Ouessant. Hier hat sich Tiersen eingerichtet und über Jahre hinweg das Studio/Veranstaltungsort/Gemeindezentrum aufgebaut. „All“ ist das erste Album, das The Eskal entspringt.

Die sphärische Musik wird von verschiedenen Gastsängern unterstützt, die nicht nur wohlklingende Stimmen, sondern auch faszinierende Namen haben: Anna von Hausswolff, Ólavur Jákupsson, Denez Prigent und Gaëlle Kerrien. Sie singen hauptsächlich bretonisch, was durch seine Unverständichkeit zum mystischen Sog der Musik beiträgt.

Klangtechnisch ist Herr Tiersen weit entfernt von seinem letzten Album "EUSA", das nahezu ein reines Pianowerk war. Auf „All“ versammeln sich um das Klavier Geigen, Synthies, Kinderlachen, Gebetsglocken, Vogelgezwitscher, Orgeln, mehr Glocken, Gepfeife, archaische Trommeln und, und, und. Das klingt in sich stimmig. In seinen guten Momenten sogar wie ein musikalisches Gedicht an die Welt oder musikgewordene Spiritualität. In seinen schlechten erweckt es den Eindruck einer esoterischen Tüdelü-Entspannungs-CD. Das passiert zum Glück recht selten, stört aber das Gesamtbild. Die Fieldrecordings dagegen machen das Album sehr intim. Man hat das wiederkehrende Gefühl, die Musik sei lebendig und man ist gerade dabei, wenn sie entsteht, geboren wird, ein Teil von der Welt wird... Jesses. Wenn man sich traut, dem Musikschamanen zu folgen, ist „All“ eine spirituelle Erfahrung.

Peter Heidelbach

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