Rezension

Toro Y Moi

Anything In Return


Highlights: Harm In Charge // Say That // Cola // How's It Wrong
Genre: Elektropop // Slowhouse // R&B
Sounds Like: Soul Clap // Wolf + Lamb // Twin Shadow // Azari & III // How To Dress Well // Washed Out

VÖ: 25.01.2013

Die Entdeckung der Langsamkeit: Slowhouse war einer der großen Trends des Jahres 2012. DJs wie Soul Clap und Wolf + Lamb nahmen die Schärfe aus ihren Tracks, schraubten die Bpm-Zahl auf bestenfalls knapp über dreistellig herunter und die Leute tanzten trotzdem dazu. Allem Anschein nach auch die Freundin von Chaz Bundick alias Toro Y Moi, denn sein viertes Album "Anything in Return" soll explizit die Angebetete auf den Dancefloor bewegen und erinnert durchaus an eine Vocal- und Pop-lastigere Version dieser Interpreten. Damit ist Toro Y Moi, der nebenbei auch einfach mal ein ehrliches Pop-Album produzieren wollte, in seiner kurzen, aber produktiven Karriere nun schon beim mindestens dritten Genre angekommen. Anpassungsschwierigkeiten? Quasi nicht vorhanden.

Kein Wunder bei einer Stimme, um die sich viele Elektroproduzenten als Feature prügeln würden. Dem starken Opener "Harm In Charge" beispielsweise verleiht sie eine vertraute und frische Note zugleich. Trotz der Slowhouse-Avancen ist der schnellste Track auf dem Album "Say That" gleichzeitig auch der beste. Ein unwiderstehlicher Funky Bass bringt die Hüften zum Kreisen, doch die unaufdringliche Bassdrum bleibt angenehm im Hintergrund. Auch die sanften Synthies halten die Stimmung jederzeit auf einem entspannten Level, lediglich die Vocal-Samples pushen etwas mehr. "Rose Quartz" fühlt sich ebenso sowohl auf der Tanzfläche als auch in der Lounge zuhause.

Je weiter das Album voranschreitet, umso mehr fährt Bundick die House-Elemente zurück und lässt stattdessen seine persönliche Interpretation des R&B zur Entfaltung kommen. Während "Cola" eher noch alternativen Vertretern wie How To Dress Well ähnelt, werden in "Cake" und "How's It Wrong" sämtliche Ressentiments gegenüber dem Genremainstream über Bord geworfen. Extreme Catchiness paart sich mit überbordender Euphorie, breitem Synthieeinsatz und pumpenden Beats, so dass das Ergebnis auch Justin Timberlake und Konsorten nicht schlecht zu Gesicht stehen würde. Man darf gespannt sein, was das Chamäleon in Musikergestalt als nächstes zu Werke bringt. Jedenfalls ist Toro Y Moi nicht mehr nur was für Hipster und Indie-Nerds, sondern für alle. Und das ist ausdrücklich positiv gemeint.

Johannes Neuhauser

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"So Many Details" auf Soundcloud
"Say That" auf Soundcloud

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