Rezension

The Streets

The Hardest Way To Make An Easy Living


Highlights: Two Nations // Never Went To Church
Genre: Dicke Hose
Sounds Like: Kanye West // Eminem

VÖ: 07.04.2006

Mike Skinner alias The Skies hat es nun geschafft. Yellow Press, Green Paper, White Powder. Alles was zur richtigen HipHop-over the top-Karriere dazugehört, hat er jetzt, könne man meinen. Klar, ein 50 Cent ist er nicht. Aber das gesamte Indielager hat er hinter sich und allein das lässt einen schon ganz gut leben. Wenn dann noch die britischen Klingeltondownloader dazukommen, ist es auch nicht mehr so wichtig, wieviel die Lederausstattung beim Royce kostet.

Aber Skinner lässt sich nicht lumpen. Klar ist: Die Street Credibility, auf die Skinner noch nicht mal im eigenen Pseudonym verzichten will, bleibt erhalten. Die Themen brauch ich hier gar nicht aufzählen, über die Skinner sinniert, die kennt eh jeder. Oder doch nicht? Na gut: Hoez, Flowz, Moneytoez. Nur das mit dem Battle lässt er, gedisst wird keiner. Mr. Streets hat Battle auch gar nicht nötig. Wozu soll er Sido so azadmäßig eins auf die Metallnase geben, wenn sich ein Kollabo-Track doch viel mehr lohnt?

Kommen wir zu Skinners Skills, die sind beim HipHop (und damit haben wir es hier eindeutig zu tun, vergesst einen Alibitrack für die Indies wie Fit but you know it) wichtiger als sonst wo. Nun, was lässt sich darüber sagen? White Mike mag hin und wieder gerne singen, immer dann wenn es nicht zum richtigen Flow reicht, lässt auch mal einen Homie von den Mitchells übernehmen oder lässt einfach den Chor einspringen. Wirklich zu technischen Hochglanzleistungen schaukelt sich der Mann nie hoch, aber muss er auch nicht. Hauptsache der Rhyme ist fett. Oder so.

Überall auf dem Album fühlt man sich an Mr. West erinnert. Der hat das nämlich ziemlich gekonnt vorgemacht, wie man Chor, Samples, Popbeats und Consciousness verbindet und dass Skinner bei den Aufnahmen das Debut von West oft gehört hat, ist unüberhörbar. Eine europäische Antwort sollte es werden, die sich nicht mal für den amerikanischen Markt interessiert und von London aus nach Osten schaut. Ganz Europa wollte der Mann überflowen und das wird er wohl auch hinkriegen. Die Single When You Wasn't Famous die mir übrigens als solche völlig unbegreiflich ist, wird ihr Übriges tun, die Leute in den Clubs werden hin und wieder nicht so recht wissen, was das denn nun soll, ist ja HipHop und überhaupt, warum spielt der da oben sowas, bis es ihnen jemand flüstert und HipHop für 3-4 Minuten eh das Geilste ist. Solange der Rapper natürlich so subtil protzen kann wie Skinner. Stellt der sich auf dem Cover vor einen schicken Oldie anstatt vor einen Ferrari. Die Kettchen sind kleiner, die Ringe unscheinbarer, das Koks vielleicht sogar gestreckter, aber alles egal. Skinner lässt es sich gut gehen, auch wenn er das nicht gerne zugibt und seinen eigenen Abstieg in den Mainstream unterschrieben hat. Das Spannende an ihm ist vollkommen verloren gegangen. Da rappt einer über die Kleinigkeiten des Lebens, gähnt bei den üblichen HipHop-Themen und nun das.

Naja, der eine oder andere Beat ist ganz solide, keine Frage, produzieren kann er schließlich. Und hat sich selbst zu einem Produkt gemacht. Johnny Cash ehrt er in einem Satz mit Biggy. Und wo führt das alles hin? Ins Nirgendwo, denn Skinner will sich für keinen Bordstein entscheiden, weder links noch rechts von der Straße. Er steht genau auf der Mitte und kann sich gegen den Wind der ihn auf die Fußgängerzone zwischen Prada, Dior und Gucci zieht, kaum wehren.

Schade Digga, aber: A fox must do what a fox has to do.

Konstantin Kasakov

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