Rezension

The Drums

Portamento


Highlights: What You Were // I Don't Know How To Love // In The Cold
Genre: Indie-Pop
Sounds Like: Bombay Bicycle Club // Joy Division // The Cure // The XX // The Beach Boys // Tokyo Police Club

VÖ: 09.09.2011

Den Hype ausnutzen? Oder nur den richtigen Veröffentlichungszeitpunkt für ein Sommerpop-Album nicht verpassen? Über die Motive für das schnelle Nachlegen ihres Zweitwerks "Portamento" lassen The Drums uns im Dunklen. Oft wird vom "schwierigen zweiten Album" gesprochen – im Falle der New Yorker Überhipster ist das eigentlich noch eine schamlose Untertreibung. Die Qualität des Debüts bestätigen, gleichzeitig eine Weiterentwicklung nachweisen – darf's sonst noch etwas sein? Eine Modifikation des Stils hat ohne Zweifel stattgefunden, auf den ersten Blick sieht es jedoch so aus, als bestünde die Weiterentwicklung lediglich darin, das Markenzeichen einer anderen Band zu kopieren.

Diese Band heißt Joy Division, und das Markenzeichen sind stoische Basslines, die desöfteren nicht zu Gesang und Gitarrenarbeit passen. Tokyo Police Club haben sich auch schon einmal daran versucht, wirklich funktioniert hat es nur auf der ersten EP. Und beim Original war der Trademark-Sound spätestens mit New Orders "Power, Corruption and Lies" von 1983 ebenfalls Geschichte. Davon einmal abgesehen hinkt der Vergleich zwischen The Drums und Joy Division eigentlich eher. Zwar ist "Portamento" kein besonders fröhliches Album, aber auch kein depressives. Die Gesangsstimmen von Drums-Sänger Jonathan Pierce und Ian Curtis könnten unterschiedlicher nicht sein, und tiefgängige Lyrics sucht man bei The Drums auch vergeblich. Das muss aber dem Spaßfaktor keinesfalls abträglich sein.

Doch der will sich beispielsweise beim Opener "Book of Revelation" partout nicht einstellen. Wie ein Gepard auf Beutesuche wartet der Song auf den richtigen Moment, um loszupreschen, findet ihn aber nie. Die Spannung verharrt auf mittlerem Level, die großen Momente fehlen – der Song wirkt irgendwie unausgegoren. "What You Were" dagegen knüpft wieder an die Stärken des Debütalbums an, dessen harmonischste Tracks – zumindest für den Rezensenten – die klaren Highlights waren. Die Single "Money" dürfte hingegen zum oft gesehenen Gast in den Indiediscos dieser Welt avancieren und vielleicht endlich "Let's Go Surfing" ablösen, das ach der Anfangseuphorie die Nerven mittlerweile wirklich genug strapaziert hat. Wenn da "Money" in einem Jahr mal nicht Ähnliches blüht.

In "Hard To Love" bügeln The Drums ihren Fauxpas beim Opener teilweise wieder aus. Endlich gibt es einen vernünftigen Spannungsbogen und eine nette Bridge. "I Don't Know How To Love" ist sogar wieder ein richtiger Ohrwurm geworden, auch wenn der Schmalz gleich eimerweise aufgetragen wird. "Searching For Heaven" und "In The Cold" zeigen dagegen eine neue Seite der Band und transportieren reduzierten Schwermut etwa im Stile von The XX. Ein interessanter Ansatz, den The Drums in Zukunft vielleicht weiterverfolgen (aber auch noch weiterentwickeln) sollten. Nichtsdestotrotz fällt "Portamento" im Vergleich zum Vorgänger gerade in Punkto atmosphärischer Dichte deutlich ab, und die kitschigen Lyrics – na ja, ganz ignorieren kann man sie irgendwie doch nicht. Um den Hype aufrecht zu erhalten, wird es aber wohl reichen.

Johannes Neuhauser

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