Rezension

The Claypool Lennon Delirium

Monolith Of Phobos


Highlights: Captain Lariat // Ohmerica // Mr. Wright
Genre: Psychedelic Pop // Progressive Rock // Experimental
Sounds Like: Pink Floyd // Primus // Bigelf

VÖ: 03.06.2016

Ein gelangweilter Freak ist eine mögliche Gefahr für die Allgemeinheit, zwei gelangweilte Freaks sind eine kreative Keimzelle: Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können, wenn Primus-Chef Les Claypool während der Pause, die seine Hauptband 2016 einlegt, keinen Spielkameraden gehabt hätte. Zum Glück hatte Sean Lennon Zeit, der den Irrsinn als Sohn des Exzentriker-Ehepaars Lennon/Ono ebenfalls im Blut hat und ihn unter anderem mit seiner Band The Ghost Of A Sabre Tooth Tiger in verqueren Psych-Folk-Pop kanalisiert. Über einen Zeitraum von sechs Wochen entstand so aus gemeinsamen Jamsessions in Claypools Haus das Album "Monolith Of Phobos", das das Duo als "an old-school approach to a psychedelic space rock record" bezeichnet.

Ein Label, dem die Platte von Anfang bis Ende völlig gerecht wird: Bereits der Opener beschwört mit psychedelischen E-Gitarren, Mellotron und präzise artikuliertem Weirdo-Gesang Erinnerungen an die frühen Pink Floyd und die LSD-Phase der Beatles herauf. Mit “Cricket And The Genie” komponieren Claypool und Lennon im Anschluss eine aus zwei Songs bestehende Mini-Prog-Suite, die im ersten Teil mit herrlich zerfuzzten Gitarren stellenweise erstaunlich heavy gerät und in ihrer zweiten Hälfte mit sägenden Streichern, Doomriffs und mehrstimmigen Chören experimentiert. Der Spaß am hemmungslosen Rumspinnen ist “Monolith Of Phobos” durchgehend anzumerken, was aber nicht heißt, dass sich The Claypool Lennon Delirium (außer im Titel des instrumentalen “There's No Underwear In Space”) ausschließlich Albernheiten hingeben: “Oxycontin Girl” etwa dreht auf klanglicher Ebene mit Clavinet, knurrigem Bass und dramatisch-affektiertem Gesang völlig frei, wirkt in seiner Absurdität aber durchaus ernsthaft beklemmend. “Ohmerica” schummelt sogar ein paar handfeste kritische Ansagen in den Lo-Fi-Popsound: “Reading your mail/and tapping your phone/and if you don't like it we'll send in the drones.”

“Bubbles Burst” hingegen ist eine pastorale Psychedelic-Ballade mit allem Zipp und Zapp, wie sie Syd Barrett kaum schöner hätte schreiben können. Verwechslungsgefahr besteht trotzdem selten, denn die Einflüsse sind zwar eindeutig, die Handschrift der Mitwirkenden aber unverkennbar: Claypools charakteristischer Slap-Bass wetteifert im maritimen “Captain Lariat” mit Akustikgitarren und das grandios betitelte “Breath Of A Salesman” hätte – zumindest bis zu Lennons Gesangseinsatz – auch auf ein Primus-Album gepasst. Das Spaßprojekt verneigt sich so tief vor der musikalischen Vergangenheit, macht aus seinem eigenen Potenzial für den ganz persönlichen kreativen Wahnwitz aber keinen Hehl.

David Albus

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