Rezension

Sóley

Endless Summer


Highlights: Úa // Never Cry Moon // Traveler
Genre: Songwriter // Avantgarde
Sounds Like: Joanna Newsom // Agnes Obel // Björk

VÖ: 05.05.2017

Nahezu durfte man sich Sorgen machen um Sóley Stefánsdóttir. Nachdem sie ihre Tochter zur Welt gebracht hatte, veröffentlichte sie 2015 das düstere, aber großartige „Ask The Deep“. Doch nun scheint offenbar wieder Licht in die Welt der isländischen Songwriterin, vormals Mitglied von Seabear. Das neue Album „Endless Summer“ ist ein ähnlich gutes Album, doch ist es viel optimistischer.

Diesen neuen Punkt zu erreichen, hat Sóley einiges an Arbeit gekostet. Sie hat sich bewusst für eine andere Grundstimmung entschieden, wachte nach eigener Aussage mitten in der Nacht auf und notierte sich, dieses Mal etwas über „Hoffnung und den Frühling“ zu schreiben. Dann malte sie ihr Studio bunt an, kaufte sich einen Flügel und „begann mit der Arbeit“. Dennoch hat sie dabei den Tiefgang nicht verloren, „Endless Summer“ ist alles Andere als ein seichtes Popalbum. Denn die Platte ist, wie immer bei Sóley, musikalisch unglaublich hochwertig und vielschichtig. Im Zentrum stehen wie gewohnt ihre Stimme sowie ihr Klavierspiel, um die herum sich Posaunen, Klarinetten oder ein Cello schlängeln. Mit nur acht Songs hat die Platte die perfekte Länge, ist sehr verdichtet und auf den Punkt gebracht.

Mitunter ist das Album wie schon im Opener „Úa“, der nach ihrer Tochter benannt ist, nahezu opulent, aber ohne sich jemals aufzudrängen. Nach den ausufernden und eindringlichen Moll-Synthies des Vorgängeralbums spielt hier gefühlt ein halbes Orchester in warmer Anmut mit. Die Cleverness der Arrangements und der Abwechlungsreichtum erinnern mitunter an Joanna Newsom, das Zusammenspiel von Klavier und Gesang an Agnes Obel. Und nun geht es nicht mehr um die Abgründe, sondern um die Schönheit des Lebens, ohne dabei die Melancholie und den Tiefgang vollends zu verlieren. Im Titelsong und Closer der Platte, „Endless Summer“, fragt Sóley: „Did you see the stars? // Did you see the sun come up? // You can find me in the flowers // You can find yourself some peace“. Auch dieser neue Optimismus steht Sóley extrem gut, man ist froh, dass sie es hierhin geschafft hat. Und froh, dass sie auch aus dieser anderen Haltung heraus eine weitere großartige Platte gemacht hat.

Daniel Waldhuber

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