Rezension

PeterLicht

Lob Der Realität


Highlights: Alles Was Du Siehst Gehört Dir // Die Transylvanische Verwandte Ist Da // Das Ende Der Beschwerde
Genre: Indie-Pop // Indie-Rock
Sounds Like: Tocotronic // Die Sterne // Die Goldenen Zitronen

VÖ: 03.10.2014

Ein Live-Doppelalbum von PeterLicht ist vermutlich nur für Leute interessant, die überhaupt etwas mit PeterLicht anfangen können. Immerhin ist sehr wenig über den medienscheuen Kölner bekannt, obwohl er seit fast 15 Jahren von den Feuilletons hochgelobt wird. Sein größter Hit, der 2001 über die mittlerweile geschlossene Partition BMG Modul erschien, die einen Fokus auf deutschsprachige Künstler legte, war das undurchsichtige „Sonnendeck“. Was meint er da eigentlich genau und warum ist es nur so verdammt eingängig, fragte man sich damals. Diese Leitfrage kann man sich auch im Jahre 2014 bei jedem neuen Album von PeterLicht stellen. Aber braucht es davon wirklich ein Live-Album? Und dann gleich ein Doppelalbum?

Man muss es in erster Linie zumindest erwähnen, dass „Lob Der Realität“, das zwar über das Label Staatsakt erscheint, via Crowdfunding finanziert wurde. Knapp 20.000 Euro haben die Fans des Musikers und Autoren zur Verfügung gestellt, um sich ihren und seinen Traum vom Live-Doppelalbum zu erfüllen und zumindest diese Fans sollten nicht enttäuscht sein. Neben den bekannteren Songs wie eben „Sonnendeck“ oder „Die Transsylvanische Verwandte Ist Da“ findet sich eine Menge Unterhaltung auf den zwei CDs.

Denn bei PeterLicht steht nicht immer nur die Musik im Vordergrund. Zwischen den Stücken kann man seinen langen Ausführungen über Schnitzel im Tatort oder den Arbeitgeberpräsidenten und dessen Arbeitsgewohnheiten erfahren. In minutenlangen Monologen referiert PeterLicht über politische und sozialkritische Themen, die in ihrer Absurdität ein wenig an einen jungen Helge Schneider erinnern. Das hörbar unterhaltene Publikum ergibt sich in schallendes Gelächter oder tosenden Applaus und über die ganze Länge von „Lob Der Realität“ kann man überraschend viele Leute mitsingen hören. Die Stücke sind so ausgewählt, dass deutlich wird, dass Besucher von PeterLicht-Konzerten nicht zufällig oder aus Mangel an Alternativen zur Abendbeschäftigung auf den Konzerten sind, sondern eine Verbindung zwischen sich und dem Künstler spüren.

Bei medialen Auftritten versucht PeterLicht nach wie vor sein Gesicht zu verbergen. Dementsprechend sind seine Musik und speziell eben seine Konzerte die Momente, in denen man ihm am nächsten kommen kann. Das kommt nicht nur den Fans zugute, sondern auch der Musik. Das Wechselspiel des mitsingenden Publikums mit den Pop-Stücken, die von der Bühne schallen, verleiht den Songs eine ganz andere Tiefe als auf dem Album. Die Stücke zeigen neue Seiten und ändern ihren Charakter, wenn das Publikum als Hintergrundchor fungiert. Zwischen PeterLicht und den Konzertbesuchern herrscht beidseitiges Einvernehmen darüber, dass man dieselben Ziele verfolgt. Wer sich für PeterLicht interessiert, der hat mit „Lob Der Realität“ eine der seltenen Möglichkeiten, ihm ein Stück näher zu kommen und bekommt dazu noch ungefähr 20 Songs eines sehr guten deutschen Pop-Musikers. Das braucht man vielleicht nicht unbedingt, aber es ist schön, dass es solche Alben gibt.

Arne Lehrke

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