Rezension

Mourn

Sorpresa Familia


Highlights: Barcelona City Tour // Fun At The Geysers // Bye, Imbecile!
Genre: Riot Grrl // Punk // Indie
Sounds Like: PJ Harvey // Sleater-Kinney // Speedy Ortiz

VÖ: 15.06.2018

„Sorpresa Familia“, das dritte Album der immer noch blutjungen Punkband Mourn aus Barcelona, ist ein frustrierter Kotzbrocken. Sei es der Opener „Barcelona City Tour“, der nicht mal mit seinen Handclaps die kantigen Riffs und das fiese Gekeife übertüncht oder das groovende „Skeleton“, welches doch keine lockere Partystimmung aufkommen lässt: Hier gibt es nur wenig zu lachen. „Sorpresa Familia“ soll nach Aussage der Band als Tagebuch der letzten Jahre fungieren und wenn man dies wortwörtlich nimmt, war die letzte Zeit wohl eine unerwartet schreckliche Erfahrung.

Mourn bleiben deshalb auch kratziger als andere trendige Punkbands mit Frauengesang, die dann doch eher poppigen Indie klimpern und ihren Niedlichkeitsbonus einheimsen. Auf dem dritten Album haben sich Mourn endgültig vom Status des hoffnungsvollen Newcomers verabschiedet und sind zu altklugen Grantlern mutiert. Vorbilder sind die großen Riot-Grrl-Bands der Neunziger, aber auch groovigere und kantigere Indie-Musik aus dieser Zeit. Sogar die Produktion klingt so kernig, als hätte Steve Albini persönlich die Tiefen herausgedreht. Es erstaunt deshalb nicht, dass Nirvana zu „In Utero“-Zeiten einen weiteren Anhaltspunkt darstellen. Das Album besitzt also Kraft: Hier wird gerifft, gekreischt und nur einmal auf „Doing It Right“ die magische Drei-Minuten-Marke überschritten.

Leider leidet die Zugänglichkeit doch unter der Kratzigkeit. Sicher, Musik sollte nicht davor zurückschrecken, unangenehme Erfahrungen kreativ zu verarbeiten, doch dieses Resultat sollte für den Zuhörer ein zumindest spannendes Hörerlebnis bieten. „Sorpresa Familia“ ist ein grundsolides Album, doch schafft es über weite Strecken nicht, sich von den übergroßen Vorbildern zu emanzipieren oder den angestauten Frust und die resultierende Wut in interessante Songs zu kanalisieren. Hier bleibt das Schreien leider viel zu häufig bloß Selbstzweck.

Yves Weber

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