Rezension

LCD Soundsystem

Sound Of Silver


Highlights: Get Innocuous // North American Scum // All My Friends // Us vs. Them
Genre: Elektro // Indie
Sounds Like: The Rapture // !!! // Tiga // New Order

VÖ: 16.03.2007

James Murphy war vor zwei Jahren maßgeblich daran beteiligt, dass sich Elektro in der Indieszene zum neuen großen Ding gemausert hat. „Daft Punk Is Playing In My House“ lief sogar in der örtlichen Dorfdisko und sorgte für ein echtes Revival alter Haudegen wie The Chemical Brothers, The Prodigy oder eben Daft Punk. Plötzlich konnte man es wieder sehen, das Meer aus zuckenden Gliedmaßen im Stroboskoplicht. Dabei hat James Murphy nicht einmal etwas neu erfunden, sondern versteht es vielmehr einfach blendend alte Mottenkisten zu entstauben und in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Jetzt also der Nachfolger. Zwei Jahre später, und einen besseren Zeitpunkt hätte es für „Sound Of Silver“ wirklich nicht geben können.

Er hätte es sich wirklich verdammt einfach machen können und das Debütalbum nur leicht abändern brauchen. Stattdessen gibt es viel mehr zu entdecken! Besonders stimmlich setzt „Sound Of Silver“ auf jede Menge Abwechslung, ohne die Trademark Vocals von Murphy aber zu sehr in den Hintergrund treten zu lassen. Das Album beginnt auch nicht gleich mit dem Holzhammerhit, sondern nimmt den VIP Eingang zur Tanzfläche. „Get Innocuous“ ist ein großer Auftritt, der durch ein langes Vorspiel erstmal richtig vorbereitet werden muss. Umso mächtiger wirkt das Ergebnis aber dann natürlich und fickt Hirn und Tanzbeine gleichermaßen. Schreit förmlich nach bewusstseinserweiternden Substanzen, aber wir sind hier ja nicht auf der Loveparade.

Mit „North American Scum“ stellen LCD Soundsystem auch mal klar, dass nicht jeder heiße Scheiß unbedingt von der Insel kommen muss. Wen interessiert das eigentlich auch? Wer für diese Abspacksause verantwortlich ist, darf auch gut und gerne aus Nordkorea kommen. Wobei „All My Friends“ tatsächlich den Eindruck erweckt, als würden hier New Order endlich wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen. Das Stakkatopiano, der treibende Bass, die schnellen Elektrodrums…passt. „Blue Monday“ darf hiermit offiziell zu Grabe getragen werden.

Jetzt dürfen auch alle aufatmen, die die ganze Zeit auf Kuhglocken gewartet haben. Selbstverständlich wurden diese nicht vergessen! „Us vs. Them“ kommt dafür sogar in der XXL Version daher, nur um unser aller Lieblingsinstrument gebührend zu huldigen. Ein Ausblick auf zukünftige LCD Soundsystem Werke könnte das abschließende „New York I Love You“ sein. Ganz ungewöhnlich im Stehwalzer gibt es da plötzlich ein waschechtes Indiepopnümmerchen zu hören, das verdächtig nach Okkervil River klingt. Müssen wir uns jetzt Sorgen machen, dass wir die Tanzschuhe bald einpacken dürfen? Für weitere zwei Jahre Blasen an den Füßen reicht „Sound Of Silver“ jedenfalls. Mindestens.

Benjamin Köhler

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