Rezension

Kurt Vile

Wakin on a Pretty Daze


Highlights: Too Hard // Wakin On A Pretty Day
Genre: Americana // Roots-Rock // Folk // Psychedelic-Rock
Sounds Like: War On Drugs // Supreme Dicks // Neil Young

VÖ: 05.04.2013

Kurt Vile ist 33, Amerikaner, verheiratet und stolzer Vater zweier Kinder. Er lebt in einem kleinen Haus in Philadelphia – kurz: Philly –, gelegen im Staat Pennsylvania. Über die Stadt berichtet man, sie sei der „Geburtsort Amerikas“. Von Vile heißt es, er sei bescheiden, sehr pflichtbewusst und arbeite viel. Zumindest an seiner Musik.

Dieser Tage veröffentlicht Kurt Vile sein insgesamt fünftes Solo-Album mit dem Titel „Wakin’ On A Pretty Daze“, das sich ebenso tief verwurzelt sieht in uramerikanischer Musiktradition um Springsteen, Petty oder Fahey wie das gesamte, bisherige Werk dieser etwas kauzigen Erscheinung auch. Das neue Album ist eine gebündelte und vor allem schlüssige Zusammenfügung dessen, was man in der Vergangenheit schon von dem Mann mit seiner prachtvollen Mähne zu hören bekommen konnte. Sein Stil ist einzigartig, wie auch seine etwas nostalgische Americana-Vision. Inzwischen hat man dessen Potential und Wiedererkennungswert beinahe allgemein anerkannt und so ehrt auch die Stadt Philly ihr Eigengewächs standesgemäß mit einer Kurt-Vile-Parade, die erst jüngst zahlreiche Anhänger anzog. That’s America!

Zur perfekten Produktion des neuen Albums, das meilenweit entfernt ist von allem, was man als Lo-Fi bezeichnen könnte und sich damit eindeutig vom anfänglichen Werk des Künstlers unterscheidet, passt, dass Kurt Vile seine Songformel gefunden zu haben scheint. Relaxte Songs mit repetitiven Akkordfolgen und entspanntem Gitarrenspiel zeichnen auch das neue Album aus. Die Violators, also die Backing-Band, weiß, was zu tun ist. Dieses wunderbar funktionierende Gefüge konnte man auch in der Vergangenheit schon auf dessen Alben finden. Im Wissen darum ist es etwas beschwerlich, einzelne Perlen eindeutig zu identifizieren. Natürlich müssen Songs nach Kurts Musikverständnis etwas monoton klingen, aber über seine gesamte Dauer macht sich ein wenig viel songübergreifende Monotonie oder vielleicht besser Routiniertheit breit.

Es ist seltsam: Vor allem da, wo sich bei Vile tiefste Abgründe auftun, wo er von Tod, Sterblichkeit und Trauer singt und das Ganze mit schwarzem bis zynischem Humor garniert, funktionieren sogar Songs mit ausufernder Songlänge. Gerade aber die 3:30-Nummern dieser Platte gehen etwas blass und klanglos unter.

Wie so oft hat auch Kurt Vile, der sich gerne Converse Chucks tragend und mit gestreiftem Shirt der Öffentlichkeit präsentiert (ein eher unterschwelliges Bekenntnis zu „Stars“ and „Stripes“; siehe Cover), mit Vorurteilen zu kämpfen. Dabei kann man ihm durchaus ein konservatives Wertesystem unterstellen. So singt er beispielsweise auf einem der neuen Stücke: „Sometimes when I get in my zone / You'd think I was stoned / But I never, as they say / Touch that stuff“ und antwortet auf die beinahe dreiste Frage nach seiner Einstellung zu Drogen auf klare Art und Weise: „I’ve smoked it in the past, but I find it funny that people consider weed a pretty normal, go-to drug, when it’s the one that can make you paranoid and want to hide in your closet. I’m not a heavy drug user. I‘m a family guy.“

Kurt Vile als vorbildlicher, amerikanischer Daddy. Wer hätte das gedacht.

Achim Schlachter

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"Never Run Away" als kostenloser Download
www.kurtvile.com

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