Rezension

Kelly Lee Owens

Kelly Lee Owens


Highlights: Anxi. // Lucid // S.O
Genre: Electro-Pop // Techno
Sounds Like: Nina Kraviz // Kedr Livanskiy // The Knife // Grimes // Warpaint

VÖ: 24.03.2017

Kelly Lee Owens’ Debütalbum haftet etwas Großartiges an. Vielleicht ist es die Kombination aus sphärischem Downtempo und stampfendem Techno, die nicht unbedingt neu ist, aber selten so gekonnt ausbalanciert wurde. Oder es sind die sanften Stimmen, die dem Werk so viel Tiefe verleihen.

Nicht zuletzt in dem wunderbaren „Anxi“, wo sich der Clubkultur entnommene Sounds in verträumten, introspektiven Arrangements wiederfinden, kommt beides zur Geltung. Unterstützt von der Norwegerin Jenny Hval treibt Owens hier die Verschmelzung ambivalenter Gefühle, die durch die melancholische Melodieführung bei unterschwellig brodelnden Basslines evoziert werden, zu überwältigender Perfektion. „S.O“ erinnert in seiner Entwicklung und Rhythmik an die großen The Knife und lässt für einen Augenblick die Zeit stillstehen. Owens besitzt ein erstaunliches Gespür dafür, große, wenn auch zunächst unscheinbare Pop-Momente zu schaffen. Am deutlichsten zeigt sich dies in „Lucid“, einer unglaublichen Hymne, der der Übergang in flirrende Synth-Flächen gelingt.

Geradlinige Tracks wie „Evolution“ oder „C.B.M“ setzen dort an, wo „Lucid“ aufhört, und nähern sich Owens Klangspektrum von einer ganz anderen Seite. Ausgefeilte Clubsounds, die in den eher zurückgelehnten Songs unter der Oberfläche schlummern, nehmen hier eine dominante Stellung ein. Auch in diesen Stücken oder einem Instrumental wie „Bird“ wirkt Owens äußerst präsent und kann die zuvor aufgebaute Spannung halten.

Die sichere Beherrschung frühmorgendlicher Technosounds stellte die Künstlerin bereits vergangenes Jahr auf der „Oleic“-EP zur Schau. Der besondere und selbstsichere Charakter ihres Debüts entsteht gerade dann, wenn sie diese nun in die Schnittmenge zwischen eskapistischem Dream-Pop und krautrockigem Drone umsiedelt. So verleiht sie ohne allzu anbiedernde Klangästhetik jedem einzelnen Track ein authentisches Antlitz und schafft dabei wahre Naturschönheiten.

Jonatan Biskamp

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"Anxi. (feat. Jenny Hval)" im Stream
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