Rezension

Käptn Peng & Die Tentakel Von Delphi

Das Nullte Kapitel


Highlights: Im Labyrinth // Neue Freunde // Backpfeifenernte Auf Dem Alphabeet
Genre: Rap
Sounds Like: Neonschwarz // Dan Le Sac // Gisbert Zu Knyphausen

VÖ: 19.05.2017

Ist das Literatur oder kann das weg? Oder Philosophie vielleicht? Poesie wenigstens? Käpt'n Peng gelang es bislang eigentlich stets ganz gut, den schmalen Grat zwischen Feuilleton und Container entlang zu tanzen – auf „Das Nullte Kapitel“ gerät er dann doch immer mal wieder ins Straucheln.

Aber ähnlich, wie man an die Wand schmierenden Kindern einfach mal den Edding aus der Hand reißen muss, statt sie für ihre künstlerischen Ambitionen zu loben, hätte der KiWi-Verlag 2014 vielleicht nicht unbedingt Robert Gwisdeks teils mit allen möglichen philosophischen Strömungen spielenden, oft aber fast schon provokant unsinnigen Debütroman veröffentlichen müssen. Der Prämisse möglichst häufiger semiotischer 180°-Drehungen folgt auch „Das Nullte Kapitel“ gerne, und dann nervt es: Da betritt ein Raum den Menschen und das Labyrinth wohnt im Kind. Wieso, weshalb, warum? Na, weil. Solche Texte wirken womöglich smart, ergeben aber letztendlich keinen Sinn. Und – Achtung, Peng-Ismus – Text ergeben die Sinne auch nicht.

Schade ist das, da Gwisdek auch Themen mit besonderem Talent für Sprachwitz und Kreativität aufrollen kann, wenn er sich denn eben wirklich einem Thema widmet. Das kann auch gerne untypisch sein wie das Fantasiewort Wob („WobWobWob“) oder der Popstar unter den irrationalen Zahlen („Pi“), dessen musikalischer Huldigung zudem der düsterste Xylophonbeat seit... naja, ein düsterer Xylophonbeat zugrunde liegt. Ganz allgemein lässt sich auch an den Tentakeln von Delphi wieder kaum etwas aussetzen, die selbst zu den abstrusesten Songs das Kopfnicken ermöglichen.

Am allerbesten ist Robert Gwisdek auf „Das Nullte Kapitel“ aber dann, wenn er den wirklichen großen Themen seinen speziellen Stil aufdrückt. AfD-Wähler beleidigt haben viele, ein rosa Einhorn will ihnen nur der Käpt'n auf die Jacke nähen („Neue Freunde“) und Liebeslieder münden wohl auch nur bei ihm in einem „Tango Im Treibsand“. Macht all das Pengs zweites Band-Album nun gut oder schlecht, Fisch oder Fleisch, Vogel oder Baum? Zitat Peng: WobWobWob. Hände hoch, Sinn, ergib dich!

Jan Martens

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