Rezension

Josh T. Pearson

The Straight Hits!


Highlights: Straight Down Again!
Genre: Country // Rock'n'Roll
Sounds Like: Lift To Experience // Phosphorescent

VÖ: 13.04.2018

Setzt man sich mit Josh T. Pearsons neuem Album auseinander, ist man vor allem erst einmal überfordert und irritiert. Ist das wirklich Josh T. Pearson, der Kerl mit Zottelbart, das Genie des düsteren Folk-Meisterwerks „Last Of The Country Gentlemen“ von vor sieben Jahren? Pearson hat sich inzwischen den Bart bis auf einen Mini-Schnauzer abrasiert, trägt jetzt helle und bunte Farben und einen weißen Cowboyhut, und er will jetzt (der Titel zum neuen Album preist es bereits an) nur noch kurze eingängige Hits schreiben. Aus den sich selbst geschaffenen Konventionen auszubrechen, war nach seinen Worten das Ziel dieses Wandels. Ist das alles wirklich ernst gemeint? Oder ist das einfach nur ein selbstironischer Scherz, der so weit ausgespielt wurde, dass damit jetzt sogar ein Albumrelease einhergeht?

Tatsächlich hinterlässt „The Straight Hits!“ erst einmal ein großes Fragezeichen. Größtenteils rockig-schrammelnd und belanglos dudelnd hört man sich durch dieses von Rock'n'Roll und Country-Klischees gespickte Album. Die musikalisch fesselnden Momente sind nämlich tatsächlich eher rar gesät. Teil seines sich selbst auferlegten Regelwerks für das Schreiben seiner „Hits“ ist übrigens auch, dass das Wort „Straight“ im Songtitel auftauchen muss. Wie soll man nun mit dem Ganzen umgehen? Das muss wohl letztlich jeder für sich entscheiden, musikalisch ist zumindest für Fans der tiefschwarzen existenzalistischen Balladen des Vorgängers hier relativ wenig zu holen. Wer aber mit eher etwas überladenem Country-Rock mit Hang zum Kitsch etwas anfangen kann, wird vermutlich auch mit „The Straight Hits!“ seine Freude haben können, wenn man sich auf diesen ganzen Spaß, den uns Pearson hier mit einem Augenzwinkern präsentiert, einlässt. Wer aber Josh T. Pearsons „The Last Country Gentlemen“ verehrt, kann von „The Straight Hits!“ eigentlich nur enttäuscht sein, da hilft es auch nicht weiter, dass er in der zweiten Albumhälfte noch ein paar gefühlvollere Balladen nachreicht. Letztlich bleibt nur der seltsame Beigeschmack eines scheinbar reichlich selbstverliebten Musikers, der für seinen seltsam theatralischen Imagewechsel viel zu viel Aufmerksamkeit einfordert. Schade.

Kilian Braungart

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